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Zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 um 20:55 UhrKommentare

"Bauern ersparen sich Papierkram"

Schlagabtausch zwischen Gerhard Wlodkowski, Chef der Landwirtschaftskammer, und dem Steuerexperten Werner Doralt über Privilegien der Bauern und deren Beitrag zum Sparpaket.

Gerhard Wlodkowski

Foto © ReutersGerhard Wlodkowski

D ass alle Berufsgruppen sparen, die Bauern vom Sparpaket ausgenommen sind, das kann's doch nicht sein.

GERHARD WLODKOWSKI: Wir nehmen uns vom Sparpaket selbstverständlich nicht aus, nur muss es sozial ausgewogen sein. Ehe wir, die Vertreter der Bauernschaft, zustimmen, wollen wir wissen, was die anderen Gruppen bringen; etwa die Beamten, die Pensionisten, die ÖBB. Wir werden unseren Beitrag leisten.

Und was ist mit den seit ewigen Zeiten nicht mehr veränderten Einheitswerten?

WLODKOWSKI: Die Debatte über die Einheitswerte muss man in einem größeren Zusammenhang sehen. Erst heute lese ich wieder in der Zeitung, dass der ländliche Raum weiter ausgedünnt wird. Wollen wir den Jungen eine Perspektive auf dem Land geben oder nicht?

WERNER DORALT: Für die Steuerbefreiung der Wertsteigerung bei Grund und Boden habe ich seit Jahrzehnten überhaupt kein Verständnis. Ich habe 20 Jahre in Tirol gelebt und immer wieder Dinge gelesen über die gewaltigen Umwidmungsgewinne, wie sich dort die Bauern im Zusammenwirken mit den Bürgermeistern sanieren.

WLODKOWSKI: Wir sind selbstverständlich für die Umwidmungssteuer zu haben. Man muss nur schauen, wie sie ausgestaltet wird. Es ist ein großer Unterschied, ob jemand in Ansfelden bei Linz ein Grundstück veräußert und das Geld in Aktien anlegt oder ob bei mir zu Hause in Mureck der Grund eines Bauern zwangsweise umgewidmet wird.

DORALT: Wenn eine Umwidmungsabgabe in den Gemeindetopf fließt, wird es problematisch. Denn wenn eine Gemeinde Geld braucht, wird ein Grundstück umgewidmet, damit es am nächsten Tag vom Bauern verkauft wird. Das ist ganz gefährlich. Es muss vermieden werden, dass sich die Gemeinde das ausrechnen kann.

WLODKOWSKI: Sie wettern immer gegen die steuerliche Pauschalierung, nur bringt diese den Landwirten große Vorteile. Wenn man diese zu niedrig ansetzt, setze ich einen Verdrängungswettbewerb in Gang. Ich bin dafür, dass man sie hoch ansetzt.

DORALT: Sie sehen den Sinn der Pauschalierung darin, dass dadurch das Bauernsterben verhindert wird. Das ist für mich ein falscher Ansatz. Wir bewegen uns hier im Steuerrecht, nicht im Subventionsbereich. Die Argumentation, man wolle über die Pauschalierung das Bauernsterben verhindern, geht an der Sache vorbei.

WLODKOWSKI: Da spielen natürlich die Förderungen hinein. Wenn bei den Förderungen der Rotstift angesetzt wird, dann spürt das jeder Bauer unmittelbar.

DORALT: Kennen Sie den Fall des Tiroler Gastwirts? Gastwirte sind auch steuerlich pauschaliert. Bei einer Betriebsprüfung hat man nachgerechnet, dass die Pauschalierung dem Gastwirt jährlich 90.000 Euro an Steuerersparnis bringt. Man ist draufgekommen, weil er alles aufgezeichnet hat.

WLODKOWSKI: Die Bauern haben so viel Papierkram zu erledigen. Wenn sie alles genau aufzeichnen, müssten sie sich dann zusätzlich noch einen Steuerberater anlachen.

DORALT: Meine Mutter hatte ein Zuckerlgeschäft und hatte auch einen Steuerberater. Das ist kein Argument.

WLODKOWSKI: Herr Professor, es mag schon sein, dass ich steuerrechtlich nicht sauber unterwegs bin. Aber man muss den gesamten Berufsstand der Bauern sehen. Seit dem EU-Beitritt ist sehr viel in Österreich erreicht worden. Wir konnten die Strukturen halbwegs aufrechterhalten. Dass der eine oder andere Fehler passiert ist, einverstanden. Man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

DORALT: Dass Josef Pröll als Finanzminister vor ein paar Jahren die Pauschalierung weiter hinaufgesetzt hat, war Amtsmissbrauch. Ich habe dafür kein Verständnis. Es war ein glatter Verfassungsbruch. Statt den Einheitswert herunterzusetzen, wurde er hinaufgesetzt. Heute sind 97 Prozent der Bauern pauschaliert. Das ist für die Funktionäre und die großen Bauern gemacht worden.

WLODKOWSKI: Herr Professor, das stimmt in keiner Weise. Das weise ich entschieden zurück.

DORALT: Wenn die Bauern, wie immer behauptet wird, keine Gewinne machen, warum wehrt man sich gegen eine Offenlegung?

WLODKOWSKI: Wo fange ich an? Bei welcher Grenze höre ich dann auf? Pröll hat das gemacht, um die mittleren Bauern am Leben zu erhalten.

DORALT: Pröll gilt ja als Erfinder des Transparenzkontos. Bei seiner Klientel, den Bauern, hat er genau das Gegenteil gemacht. Das ist absurd. Transparenz im Sinn von Pröll hätte geheißen, dass man den Einheitswert hinuntersetzt und eine echte Besteuerung schafft, das wäre transparent gewesen. Pröll hat Wasser gepredigt und Wein getrunken.

MODERATION: MICHAEL JUNGWIRTH

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