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Zuletzt aktualisiert: 19.09.2010 um 05:55 UhrKommentare

Grüner Wahlkampf unterm Regenschirm

Grüner Wahlkampf, das heißt die Suche nach dem unbekannten Wähler. Spitzenkandidat Kogler hatte mit seinem Team am Samstag ein ordentliches Programm zu absolvieren.

Ein Prachtexemplar von der Fischzucht Leber für Peter Pilz

Foto © HoffmannEin Prachtexemplar von der Fischzucht Leber für Peter Pilz

Werner Kogler ist ein Mann der Ehrlichkeit. "Bei den Grünen musst du aufpassen, dass sie in der Früh nicht verschlafen". Die etwas lockere Lebensweise ist aber nicht für den Wahlkampf geeignet. Der Spitzenkandidat bei der Landtagswahl hat mit seinem Team an diesem Samstag ein ordentliches Programm zu absolvieren. Am Vormittag mehrere Stunden rund um den Bauernmarkt auf dem Grazer Lendplatz, später bei einem eigens organisierten Fest der Grünen auf dem Geidorfplatz. Dann geht es mit Biogasauto nach Hartberg zum Oktoberfest, schließlich zurück nach Graz zu einer Gala eines Radiosenders im Opernhaus.

Gespräch statt Small Talk

Also ein ganz gewöhnlicher Wahlkampf. So, wie die Grünen auch erkennen mussten, dass sie auf Plakate und Inserate nicht verzichten können. Aufmerksamkeit ist (fast) alles, so Kogler seufzend.

Der Regen macht die Sache nicht leichter. Die Besucher Bauernmarktes haben nicht nur ihre Sackerln und Körbe in den Händen, sondern auch noch die Schirme irgendwo eingeklemmt. Kogler nähert sich offen: "Wie wird die Wahl ausgehen?" Das ist eine seiner Standardfragen. Oder: "Werden Sie wählen gehen?" Der Grüne sucht ein Gespräch, bei dem er argumentieren kann, keinen Small Talk. Etwas verlegen drückt er einervorüber eilenden Frau ein grünes Heftchen mit Knabberkernen in die Hand: "Das ist für Sie". Die Frau ist wegen des Einkaufs und des Wetters zu konzentriert, um dem Wahlwerber Aufmerksamkeit schenken zu können.

Unter einem Dachvorsprung geht es leichter, weil das Getue mit den Schirmen entfällt. Ein dunkelhäutiger Megaphon-Verkäufer macht gleich ein Geschäft mit dem Wahlkämpfer. Beim Suchen nach dem Kleingeld fallen Kogler die Wahlprospekte aus der Hand. Sie sind nicht das Einzige, was heute nass wird.

Die Ausgangssituation

Seit die Spaltungen der diversen Grün-Gruppen 1995 überwunden wurden, sind die Grünen im Landtag. Mit 4,3 bis 5,6 Prozent schnitten sie aber stets schwach ab. Bei Nationalratswahlen haben sie sich in der Steiermark hingegen schon auf 8,5 Prozent gesteigert. Die Grünen sind eine typische urbane Partei. In Graz kamen sie 2008 auf 14,6 Prozent und stellen dank eines Bündnisses mit der ÖVP die Vizebürgermeisterin (Lisa Rücker).

Eine bürgerliche Dame ruft offenbar ehrlich: "Ich wünsche Ihnen viel Glück!" Peter Pilz, der "Aufdecker der Nation" ist ebenfalls da. Er hat den Stand der Fischzucht Leger aus Bad Gams entdeckt. Der Wiener ist begeistert von einem gut einen Meter langen Sterlet, eine Abart des Stör, wie er weiß. 29,90 Euro für den 1,87 Kilo schweren Fisch akzeptiert Pilz ohne Wimpernzucken. Kogler muss sich von seinen Gesprächspartnern verabschieden, er muss mit aufs Foto.

Foto

Foto © Hoffmann

Foto vergrößernAuch Sabine Jungwirth (li.) kämpft mit allen (Wahlkampf)-Mitteln Foto © Hoffmann

Bei Fest der Grünen auf dem Geidorfplatz ist das Gedränge kleiner als auf dem Bauernmarkt. Es gibt Gemüsepfanne, die sehr gesund aussieht, und eine Werkstatt, bei der man sich sein Fahrrad durchchecken lassen kann. Auf einen Kaffee kann man zum benachbarten Wahlstand der ÖVP gehen. In Graz hat man ja eine Koalition, man ist also gleichsam unter sich.

Bei diesem Publikum kann Kogler seine Stärke ausspielen: zu reden, zu argumentieren: "Entweder Grün oder Blau als drittstärkste Partei, das ist die Richtungsentscheidung dieser Wahl". Aber mancher Interessierte hat profanere Interessen: "Wie stehen Sie eigentlich dazu, dass man bei uns die Bäume auf dem Friedhof umschneidet?" Da leitet Kogler an einen lokalen Grün-Politiker weiter.

JOHANNES KÜBECK

Zur Person

Werner Kogler, geboren am 20, November 1961 in Hartberg.

Beruf. Studium der Volkswirtschaft und Jus.

Werdegang. Gründungsmitglied der Alternativen Liste Graz (ALG). 1985 bis 1988 Gemeinderat in Graz. Mitarbeit im Grünen Parlamentsklub, seit 1999 im Nationalrat.

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