Essen kreativ und kritisch betrachtet
Das Hartberger Stadtmuseum war die letzten Tage Bastelstube und Versuchslabor zugleich. Mehr als ein Dutzend Künstler brüteten dort kreativ über dem Thema Essen.

Foto © Franz BrugnerFür die Silberschmiedin Gerlinde Berger ist Löffel nicht gleich Löffel, wie sie erklärt
Was läuft denn da flink am Boden dahin? Eine Semmel mit Rädern. Und obendrein gibt sie noch einen quietschenden Laut von sich. Die Speedy-Gonzales-Semmel ist das Werk der burgenländischen Künstlerin Herta Kovacs-Wendelin. "Essen auf Rädern wird dadurch ebenso thematisiert wie der oft sehr weite Transport unserer Lebensmittel", erläutert Kovacs-Wendelin.
Im Stadtmuseum Hartberg zeichnen, skizzieren, entwerfen, feilen und kochen 14 Künstler aus sieben Nationen zum Thema "eat art" bei einem einwöchigen Workshop. Jeder Workshop-Teilnehmer macht sich kritische Gedanken über die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft mit Massentierhaltung und Monokulturen. Die Künstler nehmen die Fehlentwicklung in der Agrarpolitik mit einem Amalgam aus Ernsthaftigkeit und Ironie unter die Lupe.
Auf das Schwein gekommen ist Reiner Zitta aus Hersbruck. Ganz auf die Arbeit konzentriert zeichnet er in realistischer Manier ein grunzendes Borstenvieh. Darauf angesprochen bedauert er die Reduzierung der Artenvielfalt unter den Hausschweinen durch die Intensivhaltung. "Schweine sind mir sehr sympathisch. Sie sind für mich wie waagrechte Menschen", sagt er.
Indirekt ist das Schwein auch für die Dänin Anneline Köhler Impulsgeber für ihre Arbeit. Gemeinsam mit ihrer Landsmännin Sofie Christiansen erarbeitet sie eine Tanzperformance. Die Idee dafür steuerte Köhlers Großmutter bei. "Ich erinnere mich noch, wie sie, als ich ein Kind war, beim Essen oft sagte: Friss, mein Schweinchen! Das war liebevoll gemeint", erzählt Köhler. Ihre Tanzaufführung heißt dementsprechend "Spis min gris!" - "Friss, mein Schweinchen!"
Die Silberschmiedin Gerlinde Berger aus Bayern wiederum stolperte über einen Billig-Plastiklöffel in einem Hartberger Cafe zu ihrer künstlerischen Inspiration. "Ein schlechtes Besteck kann ein noch so gutes Essen entwerten", sinniert sie. Trotz der Kürze des Aufenthaltes in Hartberg hofft sie, schlussendlich für die gemeinsame Ausstellung einige Löffel fertig zu haben.
Leichter tut sich die Tschechin Jitka Plesz, die in der Grenzstadt Mikulov eine "Eat art gallery" betreibt. Mäuse haben bei ihr zu Hause einige Bilder, auf denen sie Teigwaren und Süßigkeiten arrangiert hatte, verzehrt. Für Hartberg porträtiert Plesz nun Menschen, die diesen Nagetieren ähneln. "Graue, unauffällige Menschen gibt es doch zur Genüge", meint sie lachend. Lachend reicht auch die Türkin Secil Yaylali ihr selbst produziertes Karamell zum Verkosten für Schleckermäulchen herum. Die zwei Projektbetreiber Sabine Nöhrer und Manuela Fritz schmeckt der süße Zwischendurch-Genuss. Ihr Resümee: "Eine ertragreiche Woche, die viel zum besseren Verständnis des teilweise Fremden beigetragen hat."
Heute Abend wird die Ausstellung "Food-dis-placement" mit den Arbeiten der Künstler um 19 Uhr im Museum eröffnet.













