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Zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 um 16:29 UhrKommentare

Verschwundene Boa wieder aufgetaucht

Das drei Meter lange Tier war am Sonntag in Graz-Liebenau verschwunden. Nach tagelanger Suche tauchte Schlange "Amanda" am Donnerstag wieder auf - in der Wohnung ihres Besitzers.

Werner Stangl, behördlich bestellter Sachverständiger für Reptilien, fand die Boa hinter einem Küchenschrank - neben Stangl steht Besitzer Löschnig

Foto © KanizajWerner Stangl, behördlich bestellter Sachverständiger für Reptilien, fand die Boa hinter einem Küchenschrank - neben Stangl steht Besitzer Löschnig

Was sich "Amanda" in diesem Moment wohl denkt? Nach vier Tagen Verdauungsschlaf im dunkelsten Winkel der Küche ihres Besitzers zerren auf einmal zwei starke Hände an ihrer Schlangenhaut. Sie rollt sich ein, doch die Hände umfassen ihren Hals, zerren sie heraus und heben sie in die Höhe. Ein Blitzlichtgewitter bricht über die berühmteste Boa Constrictor des Landes herein, Kameraobjektive fahren ihr entgegen, Menschen schreien aufgeregt herum.

Graz kann aufatmen: "Amanda" ist wieder da! Dabei war die Würgeschlange gar nie richtig weg. Während Dutzende Polizisten und Experten die Äcker und Gärten in Liebenau auf der Suche nach der entwischten Boa durchstreiften, lag das Reptil die ganze Zeit in der Wohnung unter dem Küchenkastl. Verkrochen in einem zehn Zentimeter breiten Spalt der Sockelblende. Dort war zwar auch gesucht worden, offenbar aber nicht gut genug.

Bis Werner Stangl kam. Der Sachverständige, der die Suchaktionen koordiniert hatte, startete am Donnerstag noch einen Anlauf. "Ich war ja der Meinung, dass das Haus ,safe' ist, weil da schon gesucht worden ist. Ich habe mit Herrn Löschnig ausgemacht, dass ich mir einmal selbst einen Überblick verschaffe", erzählt der Experte. "Ich weiß ja, wie so große Tiere auch in kleinen Unterschlüpfen Platz finden."

Also schaut er: im Kasten, unterm Bett, in der Küche. Bingo! "Zum Glück ist da ein Stück der Körperschlinge herausgestanden." Stangls erster Gedanke? "Ich bin fast gestorben vor Freude." Nie habe er damit gerechnet, dass die Schlange noch im Haus ist. "Obwohl, ich habe immer gesagt, weit kann sie nicht sein."

"Wir sind nicht im Kino!"

Ab da ist es vorbei mit der Ruhe für "Amanda". Erst kommt die Polizei, überzeugt sich vom Auftauchen der Schlange und gibt ihr Okay, dass sie vorerst hierbleiben kann. Rasch verbreitet sich die Nachricht in Graz - und auf einmal schlängelt sich ein Tross an Fotografen, Kameraleuten und Journalisten durch die 40-Quadratmeter-Wohnung von Klaus Löschnig in Liebenau. Der weiß nicht so recht, wie ihm geschieht, gibt nonstop Interviews, telefoniert, öffnet gleichzeitig einem Medienvertreter nach dem anderen die Tür. "Ich geb' sie her, ich brauche den ganzen Wirbel nicht mehr", erzählt er schon leicht genervt. "He, wir sind nicht im Kino!", ruft der Hausherr einem Kameramann zu, als der auf einen Stuhl klettert, um die Szene des Tages ja nicht zu verpassen.

Denn jetzt ist auch das ORF-Fernsehteam da und damit sind "Amandas" Stunden in Freiheit endgültig gezählt. Werner Stangl setzt sich auf den Küchenboden und tastet sich unter den Schrank. "Herr Löschnig, darf ich die Blenden wegreißen?", tönt es aus der Küche. "Sie dürfen alles", kommt es zurück. Dann zieht Stangl das 20-Kilo-Reptil aus dem Winkel hervor, hebt es wie eine Trophäe empor und strahlt stolz in die Kameras.

Und "Amanda" denkt sich . . . Wir werden es nie erfahren.


BEHÖRDE PRÜFT

Das defekte Terrarium des Besitzers wurde repariert, darum hat man die Schlange dort vorerst wieder einquartiert - auch, um ihr weiteren Stress zu ersparen.

Am Freitag oder Montag bekommt Klaus Löschnig Besuch vom Grazer Veterinäramt. Man werde prüfen, wie die Haltungsbedingungen sind und eventuelle Auflagen stellen, so Leiter Peter Fürst.

Da der Besitzer aber ohnehin die Schlange bald wieder loswerden will, dürfte er einer behördlichen Abnahme zuvorkommen.

Ihm drohen aber Verwaltungsstrafen, weil die Schlange nicht ordnungsgemäß gemeldet worden war. Dem Besitzer drohen damit eine Höchststrafe von 15.000 Euro, die jedoch nur dann ausgesprochen wird, wenn auch arge Tierquälerei vorliegt.

Eine Anklage wegen fahrlässiger Gemeingefährdung ist jetzt aber unwahrscheinlich, weil die Boa ja nicht entkommen ist.

CHRONOLOGIE

Sonntag fütterte Klaus Löschnig seine Boa, dabei wurde er gebissen, das Terrarium ging zu Bruch. Trotzdem ging er fort.

Als er in die Wohnung zurückkam, war die Schlange weg. Löschnig rief die Polizei.

Suchaktionen wurden gestartet, Nachbarn per Flugzettel gewarnt. Dabei war "Amanda" immer noch in der Wohnung.

Foto

Foto © Kanizaj

Bild vergrößernBesitzer Löschnig hält die dreieinhalb Meter lange Schlange in diesem kleinen Terrarium Foto © Kanizaj

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