Sechster Sieg für Sebastian Vettel
Sebastian Vettel (23) gewinnt den "Grand Prix von Europa" und entschuldigt sich fast für ein an Spannung ziemlich dürftiges Formel-1-Rennen.

Foto © ReutersSebastian Vettel rast zu seinem zweiten WM-Titel
Iirgendwie war das Bild skurril. Entlang des Hafenbeckens von Valencia stehen wie Mahnmale die gähnend leeren Werften des zur Farce verkommenen America's Cup der Segler. Und auch viele der Liegeplätze waren leer. Kein Vergleich mit Monaco, wo Jacht an Jacht ankern. In Valencia kommt man in Formel-1-Tagen nicht in den Hafen. Die Brücke bei der Einfahrt bleibt geschlossen, sie ist Rennstrecke. Wer nicht bis Mittwochabend angelegt hat, muss draußen auf dem Meer bleiben.
Versäumt hat man diesmal aber ohnehin nicht viel. Der "Grand Prix von Europa" war nicht nur eine neuerliche Machtdemonstration von Red Bull und Weltmeister Sebastian Vettel. Er war auch das erste entsetzlich langweilige Rennen der Saison.
Auf Rekordjagd
Vettel fuhr wieder einmal vom Start weg auf und davon. Dahinter sorgte in eineindreiviertel Stunden lediglich Fernando Alonso für Sekundenbruchteile an Spannung, als er Mark Webber je einmal auf der Strecke und beim Boxenstopp überholte. Sogar der TV-Regisseur hatte offenbar seine liebe Not. Er zeigte eine volle Runde die heraus gezoomte linke Vorderradaufhängung eines Autos und rundenlang Positionskämpfe im hinteren Drittel des Rennens.
Kein Motor aus Graz
Gerüchte, wonach die Grazer Technik-Schmiede AVL List für Red Bull für das Jahr 2014 einen Formel-1-Motor bauen würde, wurden in Valencia von der Teamführung dementiert. "Renault hat für uns Priorität, wir verhandeln intensiv", sagte Red-Bull-Berater Helmut Marko.
Sebastian Vettel feierte im achten Saisonrennen seinen sechsten, den insgesamt 16. Sieg. In der Weltmeisterschaft wird er vielleicht schon in zwei Wochen in Silverstone 100 oder mehr Punkte Vorsprung haben. Selbst die Rekordsaison von Michael Schumacher, als dieser 2004 mit Ferrari 13 Siege in einem Jahr gefeiert hat, ist für Vettel nicht mehr utopisch. Dass sein Sonntagsausflug nicht viele mitgerissen haben dürfte, das schien Vettel allerdings selbst klar. Er suchte irgendwie sogar nach einer Art Entschuldigung.
Entschuldigung
"Vielleicht hat es von außen langweilig ausgesehen", sagte Vettel. Um im gleichen Atemzug zu erklären, warum für ihn auch solche Rennen hochdramatisch seien. "Du fährst ganz alleine da vorne herum. Musst versuchen, mit deinem Vorsprung entsprechend umzugehen, musst dich permanent mit der Box abstimmen, musst dein Rennen lesen und du musst dennoch sehr hart am Limit fahren."
Ansonsten fällt jemandem, der alle zwei Wochen Siege schildern soll, aber nicht mehr viel ein. Vettel quietscht jedes Mal gleich in sein Bordmikrofon, bedankt sich bei Gott und der Welt, spricht von einem "fantastischen Rennen" und wie "überglücklich" er mit dem Ergebnis sei.
Während ein Fernando Alonso trotz Platz zwei im Heimrennen wieder einmal nur beteuern kann, dass Ferrari Red Bull "zwar näher kommt", aber nach wie vor nicht in der Position sei, um Rennen zu gewinnen oder womöglich gar von der Weltmeisterschaft zu sprechen.
Features
Fotoserie
Grand Prix von Valencia
- S. Vettel (Red Bull)
- F. Alonso (Ferrari)
- M. Webber (Red Bull)
- L. Hamilton (McLaren)
- F. Massa (Ferrari)
Auf Schumis Spuren
Sebastian Vettel ist mit seinem Triumph in Valencia zum zehnten Mal en suite aufs Podest gefahren. Der Deutsche ist erst der dritte Pilot in der Geschichte der Königsklasse des Motorsports, dem so eine Serie gelungen ist. Die Bestmarke hält Rekordweltmeister Michael Schumacher, der saisonübergreifend in den Jahren 2001 und 2002 insgesamt 19-mal nacheinander unter die ersten Drei gekommen war.














-Anzeigen

