Schopp: "Teamgeist ist Sturms große Stärke"
Markus Schopp spricht im kleine.at-Interview über die große Zeit des SK Sturm, berechtigte Hoffnungen auf den dritten Meistertitel und die Hand von Gilbert Prilasnig, die den Schwarzen beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Foto © KLZ | Jürgen FuchsMarkus Schopp traut Sturm den dritten Titel zu
Markus Schopp ist im Februar 1998 nach einem beinahe zwei Jahre dauernden Gastspiel beim deutschen Bundesligisten HSV in die Murmetropole zurückgekehrt. Genau zur rechten Zeit, wie sich herausstellen sollte. Der ehemalige Flügelspieler wurde mit Sturm zweimal Meister und spielte in drei aufeinanderfolgenden Saisonen in der Champions League.
Der SK Sturm hat seinen zweiten und bislang letzten Meistertitel in der Saison 1998/99 geholt. Im Jahr davor konnte der Meisterteller zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte nach Graz geholt werden. Welche Erinnerungen hast du an diese Zeit?
Markus Schopp: Das war bestimmt die schönste und erfolgreichste Zeit meiner Karriere. Nicht nur die Titel, vor allem auch das Klima innerhalb der Mannschaft war dafür ausschlaggebend. Und dieses Klima konnte über Jahre hinweg wachsen, weil viele von uns schon seit der Jugend zusammen gespielt haben. Ich denke, das ist auch heute noch so beim SK Sturm.
Gibt es eine konkrete Szene aus dieser Zeit, die dir noch lebhaft in Erinnerung ist?
Markus Schopp: (Schmunzelt) Ja, dieses sehr entscheidende Spiel gegen den GAK knapp vor Saisonende 1999. Wir haben die drei Punkte damals unbedingt gebraucht und plötzlich nimmt der Gilli (Gilbert Prilasnig, Anm.) in unserem Strafraum Hand. Den Elfmeter haben die Roten natürlich verwertet. Zum Glück hatte der Trainer damals ein glückliches Händchen und brachte den Jan-Pieter Martens, der dann auch entscheidend getroffen hat. Ich denke, auch der Gilli wird bei dieser Frage sofort an diese Situation denken.
Wie wurde mit der Situation nach dem Spiel umgegangen?
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"Wir waren damals ein eingeschworener Haufen und daran hat sich nicht viel geändert."
Markus Schopp: Weil die Geschichte gut ausgegangen ist, haben wir natürlich in der Kabine darüber gescherzt. Aber wenn wir das Spiel verloren hätten, wäre das sicher sehr unangenehm gewesen. Dann hätte ihn aber auch niemand darauf angesprochen, weil er ja ganz genau wusste, was er da gemacht hat. Und so etwas wäre ihm auch bestimmt in keinem anderen Spiel passiert.
Gibt es noch Kontakte zu deinen damaligen Mitspielern?
Markus Schopp: Wir waren damals ein eingeschworener Haufen und daran hat sich nicht viel geändert. Wir versuchen uns einmal im Jahr zu treffen, aber jeder geht seinen eigenen Weg. Der eine ist in Japan (Ranko Popovic, Anm.), der andere in Brasilien (Jan-Pieter Martens, Anm.). Das macht die Sache nicht einfach, aber man sieht sich immer wieder. Daran sieht man auch, dass das damals etwas Besonderes war.
Wie hast du die Stimmung damals erlebt, auch außerhalb des Stadions?
Markus Schopp: Natürlich herrschte eine Rieseneuphorie, als klar wurde, dass wir zum ersten Mal Meister werden konnten. Nicht nur innerhalb der Mannschaft, auch bei den Fans.1998 war der Punkteabstand ja auch sehr groß, wir sind relativ früh als Meister festgestanden. Im zweiten Jahr war das ein bisschen anders. Aber das Meisterstück zu wiederholen war natürlich auch wieder etwas Tolles. Vor allem für mich, weil ich daran einen viel größeren Anteil hatte. Ich bin ja erst im Februar 1998 nach Graz zurückgekommen.
Gibt es in puncto Stimmung Parallelen zur Gegenwart?
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"Dieses Klima, das Miteinander hat nach wie vor Bestand. Das findet man heute selten."
Markus Schopp: Ich bin zu weit weg, um beurteilen zu können, wie die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist. Aber nach dem, was ich höre und sehe, gibt es die ganz sicher. Dieses Klima, das Miteinander hat nach wie vor Bestand. Das findet man heute selten. Und genau das hilft einer Mannschaft enorm, wenn es mal nicht so gut läuft.
Wer hat dich fußballerisch am meisten geprägt?
Markus Schopp: Man hat mir schon in meiner Jugend ein großes Talent nachgesagt, aber mein Glück war, dass ich mit vielen noch talentierteren Leuten zusammengespielt habe. Deshalb musste ich oft härter an mir arbeiten als andere, um auf diesem Niveau mitspielen zu können. Als Trainer hat mir Ivica Osim dabei sicherlich am meisten geholfen. Er hat mir meine Schwächen und Stärken bewusst gemacht und mit mir daran gefeilt. Klar habe ich auch bei anderen Trainern gelernt, aber niemals so intensiv wie bei ihm. Auch als Coach konnte ich viel mitnehmen aus meiner Zeit in Graz.
Wieviel Osim steckt denn in Franco Foda?
Markus Schopp: Das ist weniger geworden. Klarerweise sieht er noch viel durch die Augen von Osim, aber die Situation ist heute eine andere. Dem Franco werden jedes Jahr die besten Spieler weggekauft, dadurch musste er immer wieder neue Mannschaften aufbauen. Das Wichtigste dabei war, Struktur und Ordnung in die Mannschaft zu bringen. Osim hatte damals andere Prioritäten, gab den Spielern viel Freiraum. Heute sieht man, dass sich die Spieler auf diese Ordnung in Francos System verlassen können, daher können auch Abgänge leichter verkraftet werden. Sicher fehlt dann individuelle Qualität, aber die Neuen finden sich in diesen geordneten Verhältnissen leichter zurecht. Das ist die Philosophie von Franco und er setzt das sehr gut um. In Österreich gibt es nur wenige, die so etwas über so eine lange Zeit erfolgreich umsetzen können. (Schopp unterbricht - Christian Gratzei ruft an.)
Apropos Christian Gratzei... war es die richtige Entscheidung, Cavlina in dieser Phase der Meisterschaft aus dem Tor zu nehmen?
Markus Schopp: Sturm hat zwei hervorragende Torhüter. Das ist wichtig, wenn man am Ende der Saison ganz oben stehen will. Cavlina hat Christian gut ersetzt und seinen Beitrag dazu geleistet, dass Sturm jetzt so gut dasteht. Aber Christian hat über Jahre hinweg gute Leistungen gebracht, auch wenn das nicht so gewürdigt wurde. Ich spreche jetzt auch vom Nationalteam. Ich glaube, als Trainer sollte man eine Nummer eins im Tor haben und auch dazu stehen. Franco Foda sieht das auch ähnlich, denke ich.
Wie heißen die Top Drei am Ende der Saison?
Markus Schopp: Es bleibt sicher bis zuletzt spannend. Ich meine, Sturm wird den dritten Meistertitel einfahren. Dahinter werden Salzburg und die Austria ins Ziel kommen.
Stichwort GAK: Würde dich eine doppelte Meisterfeier in Graz freuen?
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"Je weiter oben der GAK ist, desto schöner ist es auch für Sturm."
Markus Schopp: Das wäre natürlich toll. Ich beobachte die Entwicklung des GAK. Ich glaube, es ist für den Grazer Fußball wichtig, dass es zwei erfolgreiche Vereine gibt. Natürlich unter wirtschaftlich gesunden Voraussetzungen. Ich hoffe, dass aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt wurde, da wie dort. Nur so kann man langfristig erfolgreich arbeiten. Je weiter oben der GAK ist, desto schöner ist es auch für Sturm.
Wie lange wird Sturm brauchen, um an die großen Champions-League-Zeiten anzuschließen? Ist das überhaupt möglich?
Markus Schopp: Im Fußball ist alles möglich. Aber das Erreichen der Champions League ist sehr schwer. Salzburg hatte schon eine gute Chance. Bei Sturm wäre es wichtig, dass die Mannschaft einmal zusammen bleiben kann. Gegen Juventus hat man ja bewiesen, dass man auch solchen Aufgaben gewachsen sein kann. Am Beispiel ÖFB-Cup sieht man ja auch immer wieder, dass kleine Mannschaften die Großen ärgern können. Mit dem Quäntchen Losglück ist der Einzug also möglich. Um aber über mehrere Jahre in der Königsklasse zu spielen, so wie wir das damals geschafft haben, braucht es schon mehr. Das ist wirklich sehr schwer.
Wie sieht es mit deiner Zukunft aus?
Markus Schopp: Ich bin dabei, die Pro-Lizenz für Trainer zu erwerben. Damit kann man Teams in den höchsten Spielklassen trainieren. Im Moment sammle ich Praxis beim österreichischen U21-Nationalteam mit Andi Herzog. Bei Sturm bin ich Individualtrainer. Aber ich will so schnell wie möglich eine eigene Mannschaft trainieren. Ich habe viele Ideen und möchte diese auch umsetzen.
Gibt es schon konkrete Angebote?
Markus Schopp: Nein, aber es gibt Gespräche. Ab der nächsten Saison sollte es soweit sein.
Features
Kommentar
Interview-Serie
Der SK Sturm greift nach dem dritten Meistertitel. In unserer neuen Online-Serie "Erinnerungen in Schwarz-Weiß" werden wir auf www.kleinezeitung.at/sturm in regelmäßigen Abständen Sturm-Kicker der Meisterjahre zu Wort kommen lassen.
Zum Thema
Fakten zur Person
Markus Schopp, geboren am 22. Februar 1974 in Graz, ist Trainer, Fußball-Experte bei Sky und der Kleinen Zeitung und ehemaliger Fußball-Profi.
Er spielte u.a. für den SK Sturm, den Hamburger SV und Brescia.
Markus Schopp ist verheiratet und Vater zweier Kinder.


















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