Der Verlockung der Macht erlegen
Josef Martinz wandelte sich schnell vom Hoffnungsträger zum braven Erfüllungsgehilfen freiheitlicher Politik.

Foto © EggenbergerJörg Haider und Josef Martinz engagierten als Privatpersonen Steuerberater Dietrich Birnbacher zur Abwicklung des Hypo-Deals
Josef Martinz galt als Zukunftshoffnung der Kärntner ÖVP. Als Bürgermeister von Ossiach war er in den 1990er-Jahren bei vielen Geheimzirkeln dabei. Jahre später dämmerte einem Teilnehmer, dass man Martinz überschätzt hatte: Er war nicht der denkende Schweiger, als der er erschien, sondern war immer stiller Zuhörer, weil er nichts zu sagen hatte. Er hatte aber Bekanntheit erlangt, und weil er als Bürgermeister eine gute Figur machte, wurde er nach dem ÖVP-Wahldebakel 2004 zum neuen Landesparteichef gekürt.
Jörg Haider und SPÖ-Vorsitzender Peter Ambrozy schlossen die "Chianti-Koalition" und Martinz führte zwei Jahre lang das Schattendasein eines Ausgegrenzten. Man hatte ihn mit einem Mini-Referat abgespeist.
Weil Haider keine Mehrheit hatte, wollte Gaby Schaunig als neue SPÖ-Chefin ihm nach dem Bruch der Koalition das Regieren schwerer machen. Sie schmiedete eine rot-schwarz-grüne Achse, die erfolgreich die Wahlordnung änderte, um den Einzug von Kleinparteien in den Landtag zu erleichtern. Auch das zweite gemeinsame Vorgehen ließ sich gut an: die Zusammenführung der vielen Landesgesellschaften unter dem Dach einer Landesholding. Seit Amtsantritt als Landeshauptmann hatte Haider eine Gesellschaft nach der anderen gegründet und mit seinen Leuten besetzt. Auf diesem Weg konnte er seine Ideen an der Landesregierung vorbei umsetzen und - das war der wahre Hintergrund der Vergesellschaftung des Landes - Geldflüsse verschleiern.
Martinz konstruierte mit Schaunig die Landesholding, ließ die SPÖ-Chefin aber im Regen stehen und lief zu Haider über, als dieser ihm den Aufsichtsratsvorsitz anbot. Von da an war der ÖVP-Chef Erfüllungsgehilfe Jörg Haiders und machte in bekannter schwarzer Manier ein Gegengeschäft nach dem anderen.
Das beste Gegengeschäft machte der ÖVP-Chef nach Haiders Tod mit dessen Nachfolger Uwe Scheuch. Die beiden bildeten nach der Landtagswahl 2009 schnell die "Milch-Koalition" und Martinz raffte dabei alle wichtigen Zuständigkeiten an sich: Agrar, EU, Gewerbe, Tourismus, Wirtschaft, Gemeinde und Sonderbedarfszuweisungen. Von da an spielte der ÖVP-Chef den Super-Landesrat und zog wie eine Sprechpuppe mit dem Slogan "Sanieren und Reformieren" durch das Land.
Freilich, durchsetzen konnte er sich gegenüber dem Koalitionspartner nie. So machten die FPK-Politiker mit ihren Geldverteilungsaktionen weiter, obwohl die ÖVP diese abstellen wollte. Auch sonst ließen sich die Freiheitlichen nichts dreinreden. Der Widerstand von Martinz und seinen engsten Mitstreitern, Reserve-Landesrat Achill Rumpold und Klubobmann Stephan Tauschitz, war auch enden wollend: Zu bedeutsam fühlte man sich. Aufgrund der vermeintlichen Machtfülle hielt auch die Partei trotz des Skandals um das Birnbacher-Honorar an Martinz fest.
Die kuschelige Koalitionswelt wurde durch die - nicht rechtskräftige - Verurteilung von Scheuch gestört. Ein Großteil der Partei verlangte das Ende der Koalition. Martinz legte sie aber nur auf Eis und tat weiter wie zuvor. Bis Montag.














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