Mölzer: "Gusenbauer wurde wegen Hypo vorstellig"
Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer kommt wegen seines 60.000-Euro-Vertrages als Hypo-Berater in Erklärungsnot. Ein legeres "Vieraugengespräch" mit FPÖ-Chef Strache soll damit nichts zu tun haben. Auch Formel-1 Fahrer Gerhard Berger war Hypo-Berater.

Foto © APAEx-Kanzler Alfred Gusenbauer war Hypo-Berater
Seine Tätigkeit bei der Kärntner Hypo habe sich auf "reine Beratungsleistung" beschränkt, beteuerte der rote Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer nach Bekanntwerden des 60.000-Euro-Vertrages. Im Auftrag des Bankvorstandes habe er in der zweiten Jahreshälfte 2009 als Teil eines Beraterteams rund um den Wiener Rechtsanwalt Leopold Specht eine Expertise zu EU-Fragen abgegeben. Mehr nicht.
Dem widerspricht der blaue EU-Abgeordnete Andreas Mölzer, der im Herbst 2009 in Brüssel einige kritische parlamentarische Anfragen zum Hypo-Debakel stellte. Wiener Parteifreunde hätten ihm daraufhin zugetragen, dass Gusenbauer im blauen Parlamentsklub nachgefragt habe, "ob das wirklich notwendig ist", erzählt Mölzer.
Vieraugengespräch bei einem Kaffee
Hat der Ex-Kanzler also bei den Blauen interveniert, in Sachen Hypo nicht allzu viel Staub aufzuwirbeln? Gusenbauer bestätigt, dass es damals ein "Vieraugengespräch" mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gegeben hat. "Bei einem Kaffee haben wir eine Reihe von politischen Fragen erörtert." Ob die Hypo dabei ein Thema gewesen sei, "kann ich nicht mehr sagen".
Bemerkenswert: Gusenbauer traf Strache als Privatier, er hatte im Herbst 2009 kein politisches Amt mehr inne. Schon damals berichtete die Kleine Zeitung, von den Umtrieben eines "höchstrangigen ehemaligen Bundespolitikers" in Sachen Hypo Kärnten. "Definitiv" keine Gespräche zu dem Thema habe Gusenbauer mit Grünen und BZÖ geführt, wie die Parteichefs Eva Glawischnig und Josef Bucher bestätigen.
Er habe der Sache damals keine Bedeutung zugemessen, sagt Mölzer heute. Seine Kritik an den Hypo-Machenschaften dämpfte er dennoch. Kurz nach der Notverstaatlichung der Bank im Dezember 2009 vereinigten sich FPÖ und FPK (vormals BZÖ). Damit verstummte auch die blaue Kritik an der Hausbank des verunfallten orange-blauen Übervaters Jörg Haider schlagartig.
Formel 1-Fahrer Gerhard Berger war auch im Beraterkreis
Die notverstaatlichte Kärntner Hypo Group Alpe Adria (HGAA) hatte sich in den vergangenen Jahren einen durchaus illustren Beraterkreis aufgebaut. So war neben Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) auch der ehemalige Formel 1-Fahrer Gerhard Berger für die Bank tätig - allerdings drehte er laut einem Bericht des "Standard" (Freitag-Ausgabe) nur eine - sehr gut bezahlte - Runde.
Berger sollte die Bank als Werbe-Zugpferd "an die Börse begleiten", wie er einmal sagte. Gebraucht wurden seine Dienste laut Bankern aber nur ein Mal: 2007, bei der Eröffnung der Hypo-Niederlassung in Innsbruck. Der Traum vom Börsengang platzte nach Aufkommen der Spekulationsverluste 2006. Bergers Vertrag, der ihm über die Jahre angeblich eine Million Euro bringen hätte sollen, lief weiter, so die Zeitung. Bankenkreisen zufolge soll er aber nicht die Gesamtsumme erhalten haben. Berater war weiters auch Heinz Lederer, früherer Kommunikationschef der SPÖ. Sein Kontrakt wird gerade gelöst, heißt es in dem Bericht.
Die meisten Beraterverträge liefen über die 100-prozentige Hypo-Marketingtochter HMA, die auch für die aufwändigen Einladungen der Hypo- und Tilo-Berlin-Kunden zu diversen Events wie Hahnenkamm-Rennen zuständig war. Und dort blieb laut "Standard" alles in der Familie. Die GmbH hatte zwei Geschäftsführerinnen, eine war die Ex-Sprecherin der Bank, eine Kulterers Nichte. Sie verließ die Gesellschaft im April 2009, in der Bank ist das Naheverhältnis der Marketing-Chefin zum Bankchef weitestgehend unbekannt, so der Bericht.













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