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Zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 um 21:22 UhrKommentare

Der Meister ist weiter gefragt

In Velden werden heute 307 frisch gedruckte Meisterbriefe übergeben. Ein Karriereweg, der nichts von seiner Bedeutung für den Wirtschaftsstandort eingebüßt hat.

Meisterin Anna Steinkellner aus Klagenfurt ist die jüngste Meisterin

Foto © TraussnigMeisterin Anna Steinkellner aus Klagenfurt ist die jüngste Meisterin

Sie müssen ihre Zunft nicht mehr auf ein opulentes Mahl mit mehreren Gängen einladen. Und sie müssen auch keine Gesellenwanderung mehr abgelegt haben. Heute werden sie gefeiert: Im Casineum Velden übergibt Wirtschaftskammerpräsident Franz Pacher persönlich ab 19 Uhr frisch gedruckte Meisterbriefe an insgesamt 307 neue Meister.

Dass die Zahl in Kärnten seit Jahren nicht sinkt, darf als gutes Zeichen gewertet werden. Der Meisterbrief gilt immer noch als Gütesiegel, das für Konsumenten eine große Bedeutung hat. Für Pacher ist der heutige Tag daher auch ein "Festtag für die Wirtschaft".

Jüngste Absolventin

Ein Festtag auch für Iris Truskaller aus Reifnitz, mit 21 Jahren eine der jüngsten Absolventinnen. Die gebürtige Maltatalerin ergriff den Friseur-Beruf, weil er ihr "bei meiner Schwester so gut gefallen hat". Ihr Ehrgeiz und Wille zur Selbstständigkeit trieb sie in die Unternehmerschule. Jetzt kurvt sie als mobile Stylistin zwischen Wien, Graz, München und der Turrach herum, frisiert Hotelgäste (gestern im Hochschober) oder für Magazine. Truskaller geht dabei vor wie bei der TV-Sendung "Extrem schön": "Meine Kunden haben keinen Spiegel vor sich. Sie sehen sich erst zum Schluss." Mit dem Meister geht ihr Traum in Erfüllung. Der Wunsch nach Selbstständigkeit stand auch bei Anna Steinkellner im Vordergrund. Die erst 20-jährige Immobilientreuhänderin - sie ist die jüngste Meisterin dieses Jahrgangs - ackerte sich daher nicht widerwillig durch Mühseligkeiten wie das Vorzugspfandrecht und das Wohnungseigentumsrecht. Im April macht sie sich beim Klagenfurter Immobilienmanager "Immo." selbstständig. "Und vielleicht studiere ich später einmal Jus."

Weg in die Selbstständigkeit

Und auch Roman Haas, frischgebackener Schilderhersteller-Meister aus Villach, passt in die Statistik, wonach sich mehr als die Hälfte der Meister selbstständig macht. Der 33-Jährige schulte vom Klimatechniker auf Rohr-Schweißer und von Rohr-Schweißer auf Schildermacher um. Letzteres per Zufall durch eine Begegnung beim Villacher Fasching. Jetzt ist er angekommen, findet seine Arbeit bei "K3 Werbetechnik" super, kann sich auch vorstellen, "etwas Eigenes zu machen".

82 reglementierte Gewerbe gibt es insgesamt in Österreich. "52 davon werden in Kärnten geprüft", sagt Monika Winnar, Leiterin der Kärntner Meisterprüfungsstelle. Es gilt: Nicht jedes Bundesland prüft alles. Kärnten zum Beispiel prüft "exklusiv" Goldschmiede und Oberflächentechniker. Daher ist auch der älteste Absolvent mit 62 Jahren diesmal ein Tiroler: Der Goldschmied konnte die Prüfung ja nur in Kärnten machen.

Im Vorjahr erstmals in Kärnten geprüft wurden Berufsfotografen und Gebäudereiniger - wegen der gestiegenen Nachfrage. Aber es kommen nicht alle beim ersten Mal durch. Aus der Erfolgsquote von 72 Prozent kann man durchaus folgern, dass nach wie vor kein Meister vom Himmel fällt . . .

EVA GABRIEL

Fakten

52 Prozent der Kärntner Meisterprüfungs-Absolventen der letzten fünf Jahre haben sich bereits selbstständig gemacht.

72 Prozent der Absolventen sind Männer, damit herrscht immer noch ein krasses Missverhältnis zwischen den Geschlechtern.

20 Jahre sind die jüngsten Absolventen alt, der älteste Meister dieses Jahrgangs ist bereits 62.

700 Euro beträgt die Prüfungsgebühr - ein Drittel refundiert allerdings der Bund.

16 Meisterprüfungen wurden in Kfz-Technik abgelegt, bei den Berufsfotografen elf, bei Friseuren und Tischlern je zehn.

153 Befähigungsprüfungen - so heißen die Prüfungen fürs Gewerbe - wurden auch abgelegt. Dabei dominieren das Gastgewerbe mit 47 Absolventen, Überlassung von Arbeitskräften (37) sowie Baumeister (36) und Immobilien-makler (33).

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