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Zuletzt aktualisiert: 03.12.2011 um 15:50 UhrKommentare

Muslimbrüder gehen auf Christen zu

Ägyptens politische Parteien buhlen nach dem Auftakt der Parlamentswahlen um weitere Wähler. Die Muslimbruderschaft, deren Partei wohl stärkste Kraft wird, bittet die Ägypter um Vertrauen. Die liberale Wafd verspricht, angesichts schlechter Ergebnisse ihr Image zu verbessern

Foto © Reuters

Im ersten Wahlgang war am Montag und Dienstag vergangener Woche in Kairo, Alexandria und sieben weiteren Provinzen gewählt worden. Ergebnisse stehen noch aus. Klarer Gewinner dürfte aber die islamistische Muslimbruderschaft sein, der mehr als 40 Prozent zugeschrieben werden. Die radikal-islamistische Nur-Partei der Salafisten kommt nach inoffiziellen Angaben auf 20 Prozent und erreicht damit den zweiten Platz.

Die von linken und liberalen Parteien gebildete Ägyptische Allianz wird laut lokalen Medienberichten drittstärkste Kraft. Die Jugendbewegung, die derzeit die Proteste gegen die Militärregierung mit einer Besetzung des Kairoer Tahrir-Platzes dominiert, spielt kaum eine Rolle.

Interview: Keine Diskriminierung

Der Vorsitzende der Partei "Freiheit und Gerechtigkeit" der Muslimbrüder, Mohammed Mursi, ging in einem Interview in der Zeitung "Gulfnews" (Samstag-Ausgabe) auf die Ängste der koptischen Christen angesichts der erstarkten Islamisten ein. "Wenn es um politische und soziale Alltagsthemen geht, wird es in Ägypten keine Spaltung zwischen Muslimen und Christen geben", versicherte er. Vor dem Gesetz gebe es hier auch künftig keine Diskriminierung. Das islamische Recht, die "Scharia", werde zwar weiterhin die wichtigste Quelle der Gesetzgebung bleiben. Die Christen könnten dabei jedoch weiterhin nach ihrem religiösen Kodex leben.

Muslimbrüder setzen auf Tourismus

Auch mit Blick auf die Wirtschaft wies er Bedenken gegen eine mögliche islamistische Regierung zurück. "Wir wollen jährlich 50 Millionen Touristen ins Land bringen", sagte Mursi. Im Wahlkampf hatten islamistische Parolen gegen Alkohol und Bikinis vor allem in der Tourismusbranche für Unsicherheiten gesorgt. Mursi sagte: "Wer auch immer die Wahlen gewinnt, trägt eine große Verantwortung."

Wafd arbeitet an ihrem Image

Die traditionsreiche Partei Wafd will derweil angesichts ihres schlechten Abschneidens zum Wahlauftakt an ihrem Image arbeiten. Der Vorsitzende der im Jahr 1919 gegründeten Liberalen, Sajjid al-Badawi, räumte in der Zeitung "Al Ahram" (Samstag) ein, dass die Partei sich zu wenig im Wahlkampf engagiert habe. Auch sei es unter den eigenen Kandidaten zu Konkurrenzkämpfen gekommen. Laut lokalen Medienberichten kam die Wafd im ersten Wahlgang auf lediglich fünf Prozent der Stimmen.

Die Parlamentswahlen werden am 14. Dezember in neun weiteren Provinzen fortgesetzt und am 3. Jänner in den übrigen neun Regionen. Das Endergebnis wird am 13. Jänner erwartet. Das neue Parlament wird die Aufgabe haben, eine neue Verfassung zu formulieren. Ende Juni soll dann ein neuer Präsident gewählt werden. Der regierende Militärrat - so ist es zumindest vorgesehen - zieht sich dann aus der Politik zurück.


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