Iran spielt im Atomstreit auf Zeit
Teheran verweigert den Kontrolleuren der IAEA den Zugang zu seinen Atomanlagen und provoziert deren Abreise. Damit steigt aber auch die Gefahr neuer Spannungen in der ganzen Region.

Foto © ReutersMahmout Ahmadinejad: Spiel auf Zeit
Auf den Gesichtern der Atom-Inspekteure am Teheraner Flughafen standen Anspannung und Enttäuschung. Bereits kurz nach Mitternacht während ihres Rückflugs nach Wien ließen sie ein Kommuniqué verbreiten, welches ihre Mission "trotz intensiver Anstrengungen" für gescheitert erklärte. Die ungewöhnliche Uhrzeit, die ungewöhnliche Eile und der ungewöhnlich scharfe Ton zeigen, wie stark sich der Konflikt um das Atomprogramm des Irans inzwischen zugespitzt hat.
Und so steuert die Islamische Republik vor den Parlamentswahlen am 2. März auf eine Situation extremer Spannungen im Inneren und Äußeren zu. Der Internetverkehr im Land wurde drastisch eingeschränkt, vor acht Tagen konnte nur Polizeipräsenz in den Straßen den Ausbruch neuer Proteste verhindern. Und Religionsführer Ali Chamenei rief den Inspekteuren hinterher, Druck, Sanktionen, Drohungen und Morde würden nichts erreichen, der Iran werde sich vom Weg des wissenschaftlichen Fortschritts nicht abbringen lassen. Man strebe keine Atomwaffen an, wolle aber "die Herrschaft der Weltmächte brechen, die sich auf Atomwaffen stützt", sagte er beim Treffen mit Atomforschern und forderte sie auf, ihre "wichtige und maßgebende Arbeit" fortzuführen.
Visite verweigert
Der Chef des fünfköpfigen Inspektorenteams, Herman Nackaerts, erklärte, Iran habe eine Visite des Militärkomplexes von Parchin verweigert, wo die Kontrolleure eine Anlage für nukleare Testexplosionen und Atombombenzünder vermuten. "Wir sind in einem konstruktiven Geist gekommen, leider jedoch haben wir keine Vereinbarung schließen können", sagte er. Das umstrittene Gelände liegt etwa 30 Kilometer südöstlich von Teheran und enthält nach Satellitenaufnahmen eine riesige zylindrische Versuchsanlage, die durch einen hohen Erdwall von benachbarten Gebäuden abgeschirmt ist. Einmal vor sechs Jahren gestattete der Iran Inspektoren Zutritt. Die verdächtige Sprenganlage bekam noch kein Besucher zu Gesicht.
Nach Angaben von Nackaerts gibt es nach der jetzt gescheiterten Visite keine bindende Zusage der iranischen Seite für eine weitere Inspektion. Die Delegation werde ihren Bericht an IAEO-Generaldirektor Yukiya Amano verfassen und "dann werden wir sehen, was die nächsten Schritte sein werden". Amano zeigte sich ebenfalls "enttäuscht".
Der Misserfolg wird die Spannungen am Golf weiter steigern. Seit Wochen kursieren Spekulationen, Israel bereite einen militärischen Angriff auf den Iran vor, bevor dessen Urananreicherung im September komplett unter die Erde verlegt sein wird. Die USA versuchen zwar, die Unruhe zu dämpfen, erteilten Militärschlägen jedoch keine ausdrückliche Absage. Es sei immer noch Zeit für Diplomatie, ließ Präsident Barack Obama erneut bekräftigen. Russland warnte vor "katastrophalen Konsequenzen" für die gesamte Region.















