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Zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 um 11:13 UhrKommentare

Vatikan will stärkeres Vorgehen gegen Missbrauch

Der Papst will die Schutzmaßnahmen und die Opferunterstützung durch die Kirche fördern. Seit 2001 sind bei der Glaubenskongregation mehr als 4.000 Fälle von Missbrauch gemeldet worden.

Papst Benedikt XVI.

Foto © APPapst Benedikt XVI.

Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, hat ein stärkeres Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch gefordert. Der "Ernst dieser Verbrechen" dürfe nicht aus den Augen verloren werden, sagte Levada am Montagabend in Rom zur Eröffnung eines dreitägigen internationalen Kongresses der Päpstlichen Universität Gregoriana über Missbrauch, wie Kathpress meldet. Sexuell übergriffige Geistliche machten zwar nur eine kleine Minderheit unter Klerikern aus, hätten aber den Opfern und der Kirche großen Schaden zugefügt.

An der Tagung nehmen 220 Vertreter von 110 nationalen Bischofskonferenzen sowie 34 Ordensobere teil. Aus Österreich ist der St. Pöltner Bischof Klaus Küng dabei. Die Veranstaltung steht unter dem Titel "Auf dem Weg zur Heilung und Erneuerung".

Kardinal Levada rief die Bischofskonferenzen weltweit zu mehr Eigeninitiative beim Erstellen von Richtlinien im Umgang mit sexuellem Missbrauch auf. Viele Konferenzen hätten schon eigene Normen erlassen, beispielsweise die USA, Deutschland, Frankreich, Südafrika und Australien. Oft seien sie aber erst in Reaktion auf die Aufdeckung skandalöser Fälle durch die Medien entstanden, so Levada.

Die Kirche müsse bei der Aufklärung mit zivilen Behörden zusammenarbeiten, unterstrich der Kardinal, bei dessen Kongregation auch die kirchenrechtliche Strafverfolgung angesiedelt ist. Das Beichtgeheimnis müsse aber weiterhin unantastbar bleiben. Seelsorgliche Aufgabe der Kirche sei es, den Opfern zuzuhören und sie zu begleiten. Ein persönliches Beispiel habe Benedikt XVI. durch seine Treffen mit Missbrauchsopfern während verschiedener Auslandsreisen gegeben.

Zum Schutz Minderjähriger müsse die Kirche ihre Mitarbeiter schulen und für das Thema stärker sensibilisieren, sagte Levada. Zugleich müsse sie Eltern und Kinder über sexuellen Missbrauch in der Gesellschaft aufklären. Der Kardinal forderte eine angemessene Ausbildung künftiger Priester. Vor allem beim Wechsel von Priesteramtskandidaten in andere Diözesen sei Aufmerksamkeit geboten.

Mehr als 4000 Fälle gemeldet

Durch die größere öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema ist in den vergangenen Jahren die Zahl der an seine Behörde gemeldeten Fälle von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen deutlich gestiegen, berichtete Levada. Seit 2001 seien bei der Glaubenskongregation mehr als 4.000 Fälle gemeldet worden, sagte der Präfekt. Dies mache deutlich, dass eine nur kirchenrechtliche Antwort unangemessen sei. Neben Normen für straffällige Kleriker gehe es auch um den bestmöglichen Beistand für Opfer, Förderung von Kinderschutzprogrammen und die Ausbildung von künftigen Priestern.


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