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Zuletzt aktualisiert: 03.03.2011 um 09:59 UhrKommentare

Hahn und Pilz unter der Lupe

Der Fall zu Guttenberg zieht immer größere Kreise: Neben den Dissertationen von elf weiteren Mitgliedern der deutschen Bundesregierung stehen auch die Arbeiten von Johannes Hahn und Peter Pilz zur Überprüfung.

Foto © APA

Eigentlich wollten die Macher der Internetseite "GuttenPlag", auf der kollektiv nach abgekupferten Stellen in der Dissertation des zurückgetretenen deutschen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gesucht wird, auf der neuen Plattform "Plagipedi" weitere Arbeiten deutscher Politiker untersuchen. Unter den "Verdächtigten" ist aber auch Österreichs EU-Kommissar Johannes Hahn (V), der bereits zu seiner Zeit als Wissenschaftsminister mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert war. Pikant: Auch die Doktorarbeit des Grünen-Abgeordneten Peter Pilz steht auf der "Liste der zur Überprüfung vorgeschlagenen Arbeiten". Er hatte zuletzt den "Plagiatsjäger" Stefan Weber mit einer neuerlichen Überprüfung von Hahns Dissertation beauftragt.

Hahn hatte 1987 seine Dissertation zum Thema "Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt" an der Universität Wien eingereicht. Schon 2007 hatte ihm Medienwissenschafter Weber vorgeworfen, dabei "absolut schlampig gearbeitet" und "seitenweise abgeschrieben" zu haben. Die Uni Wien ging den Vorwürfen nach, verzichtete letztendlich aber auf die Einleitung eines Plagiatprüfungsverfahrens.

Pilz hat 1979 sein Studium der Volkswirtschaft an der Uni Wien mit einer Doktorarbeit über "Ökonomische Auswirkungen der Einführung neuer Medien" abgeschlossen. Doktorvater war der spätere Grünen-Parteichef Alexander Van der Bellen, nunmehr für die Koordinierung der Wiener Unis zuständig. Andere österreichische Politiker stehen vorerst nicht auf der Liste.

Auf "Plagipedi" sehr wohl angeregt wird aber die Untersuchung der Arbeiten von elf weiteren der insgesamt 16 Mitglieder der deutschen Bundesregierung, darunter jene von Kanzlerin Angela Merkel ("Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden", 1986) oder Bildungsministerin Anette Schavan ("Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung", 1980).

Im Visier der selbst ernannten Plagiatsjäger sind u.a. auch der frühere bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), Bestsellerautor Thilo Sarrazin (SPD), der frühere Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Michel Friedman (CDU), Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Margret Wintermantel, Präsidentin der Deutschen Hochschulrektorenkonferenz. Und sogar die Dissertation von Papst Benedikt XVI. alias Josef Aloisius Ratzinger über "Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche" aus dem Jahr 1953 soll überprüft werden.


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