Gaddafis grausame Rache
Libyscher Machthaber schickt Tausende Flüchtlinge auf überfüllten Booten in Richtung Italien, um so Druck auf Europa zu erzeugen. Viele ertrinken.

Foto © APAFlüchtlinge landen auf Lampedusa
Während Europa über den Umgang mit den Flüchtlingen debattiert, ertrinken Hunderte von Migranten im Mittelmeer. Verzweifelte Menschen, die in überladenen und seeuntüchtigen Kähnen versuchen, dem Krieg in Libyen, der Misere, der Hoffnungslosigkeit zu entfliehen.
Allein 2000 sollen allein an diesem Wochenende vor der libyschen Küste umgekommen sein. Mehr als 1000 ertranken laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk seit Ende März. Das größte Todesdrama aller Zeiten im Mittelmeer, dessen Ende noch nicht absehbar ist.
Ein Boot mit 500 Flüchtlingen an Bord lief auf Grund, Dutzende Menschen mussten von der Küstenwache aus dem Wasser gezogen werden. Vor der Insel lief das Boot vor Sonnenaufgang auf Felsen auf. Das habe Panik unter den Insassen ausgelöst, sodass einige von ihnen ins Wasser gesprungen seien, sagte der Sprecher der Küstenwache, Antonio Morana. "Es war eine schwierige Situation. Unsere Patrouillenboote konnten wegen des flachen Wassers nicht so nah heranfahren." Der Küstenwache sei es aber dennoch gelungen, die Flüchtlinge, darunter Frauen und Kinder, aus dem Wasser zu ziehen und auch die im Boot verbliebenen Flüchtlinge zu retten. An Bord waren vor allem Gastarbeiter aus Afrika und Asien, die in Libyen gearbeitet hatten.
Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi dürfte sich derweil die Hände reiben. Er benutzt die Hunderttausenden Flüchtlinge in seinem Land als Kriegswaffe. Er werde Europa mit Immigranten überschwemmen, hatte er zu Beginn der internationalen Luftangriffe gegen seine Terrortruppen gedroht. Und es sieht ganz danach aus, als ob er damit nun ernst macht.
Eines ist klar: Die Abfahrt der Elendskähne mit verzweifelten Migranten funktioniert nicht ohne Billigung der Gaddafi-Behörden. Es ist kein Zufall, dass diese löchrigen und rostigen Schiffe des Todes nun fast durchwegs aus jenen westlibyschen Städten kommen, die von Gaddafi kontrolliert werden.
Der Diktator weiß, dass er viele dieser armen Seelen in den sicheren Tod schickt. Und dass jene Flüchtlinge, die doch auf der italienischen Insel Lampedusa ankommen, den Streit über den Umgang mit der illegalen Immigration in Europa weiter anfachen werden.
Papst Benedikt XVI. verlangte deshalb von den Katholiken in Italien und in ganz Europa mehr Solidarität mit den Flüchtlingen. Diese Menschen dürften nicht ihrer Würde beraubt werden, sagte er. "Sie brauchen Brot, Arbeit, Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden."

















