In der Arbeit funktioniert Multikulti
Rund 17 Prozent der Erwerbstätigen wurden im Ausland geboren. Mangelnde Sprachkenntnisse und Bildung machen vielen zu schaffen. Doch Wickel mit einheimischen Kollegen sind selten.

Foto © APObwohl der Akademikeranteil unter Zuwanderern höher ist als unter Österreichern, verdient jeder zweite sein Brot als Arbeiter
Über Integration und Arbeit reden? Das würde sie liebend gerne, sagt Trang Dang freundlich, während sie sich die mehligen Hände an der Schürze abbeutelt. Nur jetzt nicht. Nächste Woche vielleicht? Oder übernächste? "Ich habe gerade unglaublich viel zu tun und gar keine Zeit zum Reden."
Ein unscheinbares Schild auf der äußeren Mariahilferstraße im Westen Wiens bewirbt Dangs winziges Lokal. Besucher aus ganz Wien schätzen das "Hello Vietnam", trotz der bescheidenen Ausstattung. Bis zu zehn Stunden täglich steht die Vietnamesin in der Küche, sechs Tage die Woche. Ein großer Teil ihrer Kunden sind Österreicher. Das gilt auch für den türkischen Supermarkt gegenüber oder den nahe gelegenen orientalischen Gemüsemarkt. Noch hängen an den Eingangstüren der Lokale die vergilbten Schilder der Vorbesitzer - Händler und Handwerker, die schon vor Langem Reißaus genommen haben. Nach und nach übernahmen ausländische Familienbetriebe die leer stehenden Geschäfte - durchaus zur Freude der Bezirkspolitiker.
Nur wenige Kilometer entfernt, am Matzleinsdorfer Platz, feiert unterdessen die Schattenwirtschaft in fröhliche Urständ. An der grauen Ausfahrtsstraße bieten Osteuropäer ihre Arbeitskraft feil: Eine Maurerstunde kostet selten mehr als sechs Euro.
Jeder Zweite ist Arbeiter
Zwischen dem bunten Markt der Kulturen und dem kalten Arbeiterstrich liegt die Realität der meisten ausländischen Arbeitskräfte. Rund zwölf Prozent der Erwerbstätigen in Österreich haben keine Staatsbürgerschaft, insgesamt 17 Prozent wurden im Ausland geboren.
Wer sind diese Menschen? Tatsache ist: Sie sind sowohl in den höheren als auch in den niedrigeren Schichten besonders stark vertreten. Der Akademiker-Anteil ist unter Zuwanderern höher als in der einheimischen Bevölkerung. Doch zugleich verdient fast jeder Zweite sein Brot als Arbeiter. Insgesamt ist das Bildungsniveau deutlich geringer als bei den Einheimischen, klagt Margit Kreuzhuber, Migrationsexpertin der Wirtschaftskammer.
Ein Problem, das sie auf die Zeit der Gastarbeiterströme in den Sechziger- und Siebziger-Jahren zurückführt. "Damals haben wir Menschen mit niedrigen Qualifikationen benötigt. Es war ein Irrtum zu glauben, dass sie das Land wieder verlassen."
Der Mangel an Perspektiven habe sich auf die folgenden Generationen übertragen: Die Kinder und Enkelkinder der Gastarbeiter verlassen im Schnitt früher die Schule und haben viel anspruchslosere Berufswünsche.
"Das sind unerledigte Aufgaben der Vergangenheit", sagt der Migrationsforscher Rainer Münz. Er warnt davor, daraus Schlüsse für eine künftige Zuwanderungspolitik zu ziehen. Schon in den letzten zehn Jahren sei der Zuzug von Hilfskräften ohne Deutschkenntnisse nahezu zum Erliegen gekommen. Durch die restriktive Zuwanderungspolitik der vergangenen Jahre könnte sogar ein Mangel an einfachen Arbeitskräften entstehen. Auch eine Rot-Weiß-Rot-Card nach australischem oder kanadischem Vorbild sieht er skeptisch: "Das bringt vielleicht 5000 Zuwanderer pro Jahr. Das ist zu wenig. Arnold Schwarzenegger und Frank Stronach wären bei jedem Punktesystem durchgefallen."
Keine Konkurrenz
Mit seinen Landsleuten geht Münz scharf zu Gericht. "Die Österreicher sind ja ein Teil des Problems. Viele wollen einfach keine Ausländer hier haben", glaubt er. Auch im öffentlichen Bereich herrsche eine Abwehrhaltung gegenüber Zuwanderern: "Wie viele Feuerwehrleute oder Zugschaffner mit Migrationshintergrund gibt es? So gut wie keine."
Ist die Angst vor dem Fremden letztlich eine Angst um den Arbeitsplatz? Wenn ein Ausländer einem Österreicher den Job wegschnappt, dann könne es sich nur um einen "Zufall" handeln, sagt Münz. Kreuzhuber sieht das genauso: "Die Verdrängung durch Ausländer am Arbeitsmarkt wird deutlich überschätzt", sagt sie. "Aber Sachargumente zählen leider nicht, hier geht es um Emotionen."
Je bunter, desto besser
Dabei verläuft das multi-ethnische Zusammenarbeiten im gemeinsamen Betrieb ohnedies weitgehend ohne größere Reibereien, wie ÖGB-Sekretär Bernhard Achitz berichtet. Allenfalls in Betrieben, "wo es eine große Gruppe aus einem anderen Kulturkreis gibt, kann es vorkommen, dass sich die Einheimischen eingeschränkt fühlen." Dort aber, wo eine bunte Truppe aus verschiedenen Nationen werke, hätten Konflikte Seltenheitswert.
Wenn schon multikulturell, dann richtig.














