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Zuletzt aktualisiert: 15.04.2010 um 13:46 UhrKommentare

Neue Grippe: WHO sieht sich zu Unrecht am Pranger

Laut Laboranalysen gab es 17.700 Tote durch die Schweinegrippe. Für eine Pandemie ein sehr milder Verlauf. Nun wird die Vorgehensweise der WHO heftig kritisiert.

Foto © APA

Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufene Schweinegrippe-Pandemie lastet weiterhin schwer auf den Verantwortlichen in Genf. "Den Verlauf konnte niemand voraussagen", heißt es in diesen Tagen vor allem bei den für Medien zuständigen Mitarbeitern. Dass die erstmals seit 40 Jahren verkündete Grippe-Pandemie deutlich milder verlief als erwartet, sei auch auf die schnelle Reaktion der WHO zurückzuführen, glauben die Beschäftigten im Hauptquartier im Genfer UN-Viertel.

Rund 30 unabhängige Experten versuchten dort in den vergangenen Tagen, Lehren für künftige WHO-Reaktionen auf solche weltweiten Infektionskrankheiten zu ziehen. Vieles müsse aber wieder genauso ablaufen, wie in den vergangenen zwölf Monaten, hieß es bei der WHO. Zu groß bleibe die Gefahr hoher Opferzahlen bei der weltweiten Ausbreitung eines Virus.

Die Zahl von rund 17.700 Menschen, die nach Laboranalysen nachweislich in den vergangenen zwölf Monaten an dem aggressiven H1N1-Virus gestorben sind, mutet weltweit niedrig an. Allerdings sind darin bei weitem nicht alle Opfer erfasst. Die Erkrankungswelle, die am 24. April 2009 mit der Schließung von Schulen in Mexiko offiziell begann, raste über weit mehr als 200 Länder und Regionen hinweg.

Die WHO habe sich gegen das Virus stemmen müssen und sei auch erfolgreich gewesen, ist man in Genf überzeugt, auch bevor der Bericht der Expertengruppe in einigen Wochen veröffentlicht wird. Die Grippeangst griff rasant um sich - alle schienen in Gefahr, nicht nur die Schwachen wie bei einer "normalen" Grippewelle.

Die Ausrufung der höchsten Alarmstufe der WHO, einer Pandemie, hatte sich die Organisation nicht leicht gemacht. Sie war sogar dafür gescholten worden, sie gehe zu zögerlich vor. Als am 11. Juni die WHO die Schweinegrippe zur Pandemie erklärte, waren fast 30.000 Infektionen in 74 Ländern registriert worden, mehr als 21.000 Fälle in Nordamerika. Insgesamt gab es damals mehr als 140 Todesopfer.

Unermüdlich hatte der WHO-Sonderberater für Grippe-Pandemien, Keiji Fukuda, auf weltweit übertragenen Pressekonferenzen auf die Unwägbarkeiten einer solchen Pandemie verwiesen - es gebe keine Gewissheiten. "Es ist natürlich möglich, eine Pandemie der milderen Art zu haben", baute er einmal vor, als sich Ende des Jahres abzeichnete, dass die Erkrankungszahlen stagnieren. Kritiker vermuteten angesichts millionenfach gelagerter und ungenutzter Impfstoffe eine Kumpanei mit der Pharmaindustrie, die Rekordgewinne meldete. Die WHO wies dies scharf zurück: Es gebe keine Hinweise.

Nach einem Jahr steht fest, dass es auf dem amerikanischen Kontinent mit mindestens 8.200 Toten die meisten H1N1-Opfer gegeben hat. In Europa waren es fast 4.800 und in Asien über 3.500. In Österreich starben laut Angaben des Gesundheitsministeriums bis Ende März 40 Personen. Dem Ziel, einem Viertel der Weltbevölkerung einen Impfschutz zur Verfügung zu stellen, kam die WHO nahe.

Die Pandemie war die erste große Bewährungsprobe für die Mitte 2007 in Kraft getretenen Internationalen Gesundheitsvorschriften (World Health Regulations) der WHO. Danach müssen auf schnellstem Wege für die öffentliche Gesundheit bedeutende Ereignisse ausgetauscht werden, in Europa etwa unter 40 Vertragsstaaten. Mit den Regelungen soll die grenzüberschreitende Ausbreitung von Krankheiten verhütet und bekämpft werden. Dies sei gelungen, lautet die WHO-Bilanz. Die Organisation will sich trotzdem der weltweiten Kritik aktiv stellen, wie WHO-Generalsekretärin Margaret Chan gerade erst wieder betont hat.


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