Scharfe Kritik an Klasnic-Kommission
Mutmaßlicher Missbrauchsfall im obersteirischen Stift Admont: Klasnic-Kommission hat eine Entschädigung abgelehnt - dies empört die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt.

Foto © APA
GRAZ. Opfervertreter üben massive Kritik an der von der Kirche eingerichteten Opferschutzanwaltschaft ("Klasnic-Kommission"). Anlass ist ein mutmaßlicher Missbrauchsfall im obersteirischen Stift Admont aus den 1960er-Jahren. Ein Mann (57) gibt an, als Kind von zwei Patres gequält und von einem vergewaltigt worden zu sein, erklärt die von Betroffenen gegründete "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt". Weil die Kommission eine Entschädigung abgelehnt hat, wandte sich der Mann, der anonym bleiben will, nun an die Öffentlichkeit.
Die Staatsanwaltschaft habe ermittelt und das Verfahren wegen Verjährung eingestellt. Einer der beschuldigten Patres habe ein Geständnis gemacht, dieses aber zurückgezogen, erklärt der Mann. Es gebe Zeugen und zwei psychologische Gutachten, die seine Glaubwürdigkeit bestätigten. Eine detaillierte Erklärung der Ablehnung seines Entschädigungsantrags habe er nicht erhalten.
"Prinzipiell für die Opfer"
Herwig Hösele, der Sprecher der Opferschutzanwaltschaft, weist die Vorwürfe zurück: "Die Kommission hat den Fall mehrfach überprüft und ist schließlich zu dieser Entscheidung gekommen", sagt er. Auf den konkreten Fall wollte er nicht näher eingehen. "Aber ich möchte sagen, dass wir im Zweifelsfall prinzipiell für die Opfer entscheiden. Es muss schon gute Gründe geben, warum die Kommission einen Antrag ablehnt."
Der Antrag des 57-Jährigen sei einer jener 21, welche bisher abgelehnt wurden. Mehr als 530 seien positiv entschieden worden, es wurden Entschädigungszahlungen geleistet. "Dem Betroffenen steht natürlich der Rechtsweg offen", so Hösele.
Das sieht Sepp Rothwangl von der "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" wegen der Verjährung als "Zynismus". Er fordert eine "unabhängige Kommission" und kritisiert auch, dass einer der beschuldigten Patres weiter als Priester arbeite.







