Wiener Jus-Student mischt soziales Netzwerk auf
Von CNN bis Al Jazeera, von Le Monde bis zur New York Times. Der Student Max Schrems wurde 2011 zum Medienstar, weil er mit Erfolg gegen den laschen Umgang von Facebook mit privaten Daten vorgeht.

Foto © EderMax Schrems geht gegen Facebook vor
Eine Live-Schaltung ins Nachrichtenstudio von Al Jazeera, ein Interview auf CNN, ein Beitrag in der Kerner-Show auf Sat 1 - die internationalen Medien beschäftigen sich seit Monaten mit dem 22-jährigen Wiener Jus-Studenten Max Schrems. Weil er den Social-Media-Giganten Facebook beschäftigt hat. Gemeinsam mit Kollegen hat er mit der Initiative "Europe-versus-Facebook" zum Schlag gegen den laschen Umgang von Facebook mit persönlichen Daten ausgeholt. Er hat auf sein Recht gepocht und den Konzern aufgefordert, ihm alle je über ihn gespeicherten Daten auszuhändigen. Er blieb hartnäckig. Schlussendlich erreichte ihn eine CD-ROM aus Kalifornien. Der Inhalt: 1222 Seiten mit persönlichen Daten. "Ich wäre nie darauf gekommen, dass auch alle meine eigentlich schon gelöschten Nachrichten noch gespeichert sind", erzählt er im Gespräch mit der Kleinen Zeitung.
Relativ neues Rechtsgebiet
Datenschutz sei noch ein relativ neues Rechtsgebiet, "ähnlich dem Umweltschutz in den 1960er-Jahren", so Schrems. "Jeder redet darüber, aber keiner tut etwas." Schrems und seine Gruppe haben etwas getan. "Übertrieben gesagt, haben wir einfach ein paar Zettel nach Irland geschickt." In Irland ist die für Europa zuständige Facebook-Zentrale angesiedelt. Die findigen Studenten haben bei der dortigen Datenschutzbehörde insgesamt 22 Anzeigen eingebracht. Mittlerweile haben die irischen Datenschützer einen ersten Report dazu verfasst. Für Schrems trotz "schwammiger und nicht sehr juristischer Formulierungen" ein Erfolg. Facebook muss u. a. seine Datenschutzrichtlinien ändern, "sie müssen weltweit alle 800 Millionen Nutzer fragen, ob sie mit dieser neuen Gesichtserkennung einverstanden sind. Es freut mich insgesamt, dass es in Europa möglich ist, dass ein kleiner Student denen ziemlich in den Hintern treten kann", so Schrems. Kollegen aus den USA hätten das nie für möglich gehalten: "Die haben gemeint, dass das sicher nicht ohne eine Armada von 50 Top-Anwälten möglich ist." Es reichten auch ein paar Wiener Studenten.
Am Ziel sieht sich Schrems noch nicht. "Es gibt jetzt einmal diesen allgemeinen Report. Unsere 22 Anzeigen sind noch nicht bearbeitet, das läuft noch. Da wird es noch weiter ins Detail gehen."
Seine Rolle als weltweiter Medien-David, der sich mit dem Internet-Goliath anlegt, sieht er überschätzt: "Ich habe das Gefühl, dass alle über Facebook berichten wollen und ich bin halt der Schädel, den man dazu braucht. Unter dem Strich ist die Headline Facebook und nicht Max Schrems."











