Erz-Abt wollte "Schweigegeld" zahlen
Unmittelbar nach der Tat habe sich der Salzburger Erzabt beim Betroffenen entschuldigt. Er bedauere heute noch diesen Vorfall und hat seinen Rücktritt angeboten, der auch angenommen wurde. Opfer wurde noch von weiteren Priestern missbraucht.

Foto © ReutersImmer mehr Missbrauchsfälle in der Kirche treten ans Tageslicht
Der Salzburger Erzabt Bruno B. hat wegen sexuellen Missbrauchs vor 40 Jahren an einen damals Minderjährigen dem zuständigen Ordensoberen seinen Rücktritt angeboten. Am Dienstagnachmittag wurde sein Rücktritt angenommen.
Zum Zeitpunkt der Tat war B. 24 Jahre alt und noch nicht Priester. Seit diesem bedauerlichen Ereignis und in seiner ganzen seelsorgerischen Tätigkeit habe es von ihm keinen einzigen Vorfall dieser Art weder an dem Betroffenen, noch an anderen Personen gegeben, unterstrich der Geistliche.
Nach der Wahl von B. zum Erzabt von St. Peter wandte sich der Betroffene im Herbst 2009 über einen Ombudsmann an denselben. In einem Gespräch am 22. November 2009 in Wien, bei dem auch der Ombudsmann und eine weitere Vertrauensperson des Betroffenen anwesend waren, habe der erneut den Betroffenen um Verzeihung für das vor über 40 Jahren Geschehene gebeten und seine aufrichtige Reue zum Ausdruck gebracht, hieß es in der Aussendung. Der Erzabt habe über diesen Vorfall unter anderem Erzbischof Alois Kothgasser informiert.
Schweigegeld
Nach dem Bekanntwerden eines sexuellen Missbrauches an einem Kind vor 40 Jahren durch den Erzabt des Stiftes St. Peter in Salzburg meldete sich das damalige Opfer am Dienstag im Ö1-Morgenjournal des ORF zu Wort. Erzabt Bruno B. habe ihm im Vorjahr 5.000 Euro angeboten, wenn er keine weitere Schritte mehr unternehme. Von zwei anderen Patres sei er jahrelang immer wieder missbraucht worden. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser verteidigte das Angebot: Es sei als Schmerzensgeld gedacht gewesen.
Ein ehemaliger Mönch habe ihn damals wegen der Aussicht auf den Kirchturm gelockt. Dort sei es dann erstmals zum Missbrauch gekommen, sagte der damals Elfjährige: "Das war eine Todesangst, ich saß droben, konnte mich nicht rühren, ich konnte mich nur festhalten, und er stand vor mir, er hatte mir in die Hose gegriffen, und dabei hat er sich selbst auch befriedigt." Sechs Jahre lang sei es immer wieder zu Missbräuchen durch diesen und einen anderen Pater gekommen, auch in deren Zellen.
Der Übergriff durch den Erzabt, der damals Priesteramtsanwärter war, erfolgte bei einem Radausflug in einer Höhle am Untersberg bei der Quelle der Salzburger Wasserleitung. "In einer Grotte musste ich mich dann auf seinen Schoß setzen. Er drückte mich an sich, und ich war im Grunde genommen schon von vornherein einmal wehrlos", so der heute 53-Jährige.
Als der Erzabt im November des Vorjahres von dem Salzburger mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, soll dieser den Missbrauch eingestanden haben, einen Rücktritt habe er aber abgelehnt. Stattdessen habe er dem Opfer in einem Brief, der dem ORF eigenen Angaben zufolge vorliegt, 5.000 Euro angeboten und das Opfer ersucht, keine weiteren Schritte mehr zu veranlassen
Schlafstörungen und Depressionen
Der Salzburger schilderte auch die Folgen der jahrelangen Missbräuche. Er fürchte sich seither vor Höhlen und Tunnels. Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Depressionen seien weitere Folgen. Beichten habe er nur bei Pater B. dürfen. "Und da musste ich beichten, dass ich eben Unkeusches getan habe mit anderen. Und er gab mir die Absolution. Im Grunde genommen habe ich immer das gebeichtet, was er verbrochen hat."
Aus Scham und wegen des psychischen Drucks durch die Täter habe er erst nach 24 Jahren erstmals über die Vorfälle sprechen können und im Vorjahr die mutmaßlichen Täter mit den Vorwürfen konfrontiert, "und da von ihnen auch das Geständnis erhalten". Einmal sei es unter den Patres sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen, "weil dieser Pater auch mit Leuten aus dem Konvikt Beziehungen begonnen hatte."
Ein Pater hat den Orden später verlassen, der andere wechselte in Klöster nach Oberösterreich oder Bayern. Die beiden sind laut ORF 2005 in Marokko als Sextouristen festgenommen worden, einer wurde wegen schweren Missbrauchs an minderjährigen Marokkanern auch rechtskräftig verurteilt. Der Zweite wurde nicht verurteilt, dieser starb vor einem Monat in Bayern.












Kommentare