Voll im Öl
Stirngüsse, Dampfbäder mit Ingwer und Nelken, Ölmassagen und Yoga: Warum Ayurveda die Wissenschaft vom Leben heißt, spürt man nach wenigen Tagen. Eine Auszeit auf Probe.

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Es waren zehn Tage voll im Öl. Im erwärmten Kapha-Öl. Kapha ist weder eine neue Karpfenrasse noch ein Öko-Designerkaffee, sondern neben Pitta und Vata eines der drei ayurvedischen Doshas und jene Lebenskraft, die in mir überwiegt.
Ich bin ein Kapha-Typ: so gut wie nie aus der Ruhe zu bringen, kräftig, behäbig, ausdauernd und mit Elefantengedächtnis ausgestattet. Die Diagnosestellung eines Ayurvedaarztes läuft anders ab als in der Schulmedizin: Puls fühlen, Blutdruck messen, Zunge zeigen und viele Fragen, die mir der Arzt Nihal Liyanarachachi zu Beginn meines Aufenthalts in der Villa Lanka Pearl am Strand von Balapityia im Südwesten Sri Lankas stellt: "Wie ist Ihre Verdauung? Wie viel schlafen Sie? Wie gehen Sie mit Stress um? Was essen Sie so den ganzen Tag?" Ich erzähle. Er hört zu. Dann schmiedet er einen öligen Plan für mich.
Der Stundenplan
Ayurveda bedeutet so viel wie die Wissenschaft vom Leben. Sie gilt als die weltweit älteste Heilkunst und hat sich vor mehr als 3000 Jahren in Indien entwickelt. Ayurveda-Behandlungen bieten mittlerweile viele Wellnesstempel - auch bei uns - an. Mit einer reinigenden Panchakarma-Kur hat das wenig zu tun.
Das Kurleben hat Konzept und einen Stundenplan wie in der Schule: 6.50 Uhr aufstehen, Mundspülung mit Nelken-Kardamom-Wasser und im wunderschönen Garten mit Yoga aufwachen. Das Frühstück fällt leicht aus: Kräutersuppe mit Reis, Fladen mit Fisch- oder Papayaaufstrich sowie Melonen, Papayas, Maracujas und Mangos.
Dann: Therapie. Ich werde von vier Händen sanft geknetet, Füße und Kopf werden massiert, durch Nase und Ohren wird Öl gejagt. Das Herz der Kur ist der Stirnguss Shirodhara. Auf der Massagebank fließen aus einer Schüssel über mir 1,5 Liter warmes Öl auf meine Stirn. Ein wohliges Gefühl. Danach ist meine Wahrnehmung wie per Fotografenhand auf ,,scharf" fokussiert. Empfindlich gegenüber Licht, Lautstärke, Gerüchen oder extremen Gefühlen. Nach drei Tagen schleicht sich die erste Vorahnung ein, dass ein besseres Leben möglich ist. Die Kur greift - ich verliere Kilos (am Ende werden es fünf sein), mein Teint strahlt, ich schaffe Yoga-Übungen, die ich noch nie konnte, fühle mich ausgeschlafen und zum Palmenausreißen motiviert. Ich sitze eine halbe Stunde lang in der selbst gebauten Sauna (mit einem Gewürzregal mit Ingwer, Nelken, Zimt oder Kardamom), werde in ein Holz-Dampfbad gelegt, aus dem - wie bei einer Guillotine - nur noch mein Kopf herausschaut.
Mein Blutdruck, der meist im Keller ist, bessert sich, der diastolische Wert steigt innerhalb von zehn Tagen von 65 auf 75 mmHg. Der krönende Abschluss der Kur: ein kühles Bad in Hunderten von Blüten. Das schließe alles, wofür das Öl meine Poren geöffnet hat. Ich bin rundum erneuert. Innerlich, äußerlich. Und nun, sechs Wochen später, wache ich immer noch mit Yoga auf. Abyubowan! Also: Leben Sie gut - und lang.



















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