Italien: Bares ist nicht mehr Wahres
In Italien dürfen Rechnungen über 1000 Euro nicht mehr bar bezahlt werden. Darunter leidet vor allem die Hotellerie.

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Arme Reiche in Italien. "La Dolce Vita" ist ganz schön bitter geworden. Wer seine Hotelrechnung bar bezahlen will oder mit einem schnittigen Ferrari im Urlaubsort vorfährt, riskiert, dass die Carabinieri schon mit Handschellen auf ihn warten.
Im Kampf gegen den Volkssport "Steuerhinterziehung" - in Italien nobel "Evasione" (Ausweichen) genannt - fährt Regierungschef Mario Monti schwere Geschütze auf. Das Gesetz, wonach Rechnungen über 1000 Euro nur noch per Kreditkarte oder Banküberweisung beglichen werden dürfen, liegt vor allem Hoteliers schwer im Magen. "Für die Hotellerie in Südtirol eine Katastrophe", sieht der Präsident des Hotel- und Gastwirteverbandes, Wilhelm Meister, düstere Zeiten heraufdämmern.
Für die meisten Hoteliers in Südtirol war bislang nur Bares Wahres. Wohlhabende Russen, aber auch Italiener waren es gewohnt, mit Bündeln von EuroScheinen zu protzen. Geld, das mitunter auch finstere Wege nahm. "Ein Hotelier in Meran macht 27 Millionen Umsatz mit Russen, die alle bar bezahlten. Wie soll er noch Geschäfte machen?", fragt Meister. "Die Rezeptionistin muss jetzt mit dem Gast zur Bank gehen, damit er die Hotelrechnung begleichen kann", schildert Touristiker Erich Falkensteiner Kuriositäten.
Bei der plötzlich strengen Fahndung nach Rechnungen, die der Gast vorweisen muss, verfallen italienische Finanzfahnder ins andere Extrem. Wird ein Gastwirt zum vierten Mal in Folge erwischt, wenn er keinen Beleg ausgestellt hat, wird das Lokal für drei Tage gesperrt.
Eine Kehrtwende nach ertragreichen Jahren. "In den letzten Jahren kannten wir nur Steigerungsraten. Jetzt wird Österreich von der Barzahlungs-Vorschrift profitieren", glaubt Meister. Zu Weihnachten verbuchten manche Hotels bereits Umsatzrückgänge bis zu 50 Prozent, warnt er vor den Folgen. Südtirol zählt 30 Millionen Nächtigungen, der Tourismus trägt maßgeblich zum Wohlstand der Region bei.
Eine neue Steuer lässt hingegen die renovierungsbedürftigen Hotels an der Adria erzittern. Die Gebäudesteuer, die bis zu 200.000 Euro jährlich betragen kann, lässt kaum Luft für nötige Investitionen. Meister: "Viele werden das nicht überleben."
Andererseits hat "Evasione" in Italien unvorstellbare Ausmaße angenommen. 150 Milliarden Euro jährlich sollen dem Staat durch die Lappen gehen, schätzt der Chef des nationalen Steueramtes Attilio Befera.










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