Bezirks- und Gemeindesuche
Bischof: "Eine sehr belastende Situation"
Bischof Alois Schwarz über Missbrauchsfälle, die es in der Diözese gab und aktuelle Überprüfungen. "Missbrauchsopfern wird eine unvorstellbare Verwundung zugefügt."

Foto © APA/Gindl (Archivbild)
Nach Missbrauchsfällen in kirchlichen Institutionen anderer Bundesländer: Haben Sie Sorge, dass auch Kärnten in die Schlagzeilen geraten könnte?
Alois Schwarz: Das ist nicht abschätzbar. Wir haben mit der Ombudsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche klare Vorkehrungen getroffen, die seit 15 Jahren den Menschen, die sich melden, zur Seite steht und Maßnahmen setzt.
Sechs Personen haben sich seither gemeldet. Es gab also Missbrauchsfälle auch in Kärnten?
Alois Schwarz: Es gab Missbrauchssituationen, ja, die aber alle nicht strafrechtlich belangt sind.
Welche Konsequenzen gab es?
Alois Schwarz: Als Bischof bin ich mit dienstrechtlichen Konsequenzen, also Dienstfreistellungen, relativ rasch. Eine solche gab es vor Jahren. Wir haben auch die Prävention verstärkt: durch Information der Priester und hauptamtlichen Laienmitarbeiter über korrektes Verhalten im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.
Und die sechs Opfer?
Alois Schwarz: Es wurde versucht, den Einzelnen je nach Vorschlag der Ombudsstelle zu helfen. Etwa mit therapeutischer Begleitung.
Die Villacher Plattform gegen sexuelle Gewalt kritisiert "kirchliche Knebelverträge", weil Missbrauchsopfern finanzielle Entschädigung mit der Bedingung angeboten werde, gegenüber der Öffentlichkeit zu schweigen. Wird das so gehandhabt?
Alois Schwarz: Das kommt bei uns überhaupt nicht vor und ist für mich undenkbar.
In Kärnten war über Jahrzehnte Tanzenberg das kirchliche Internat. Sexuelle Übergriffe soll es in der Vergangenheit auch dort gegeben haben, ist jetzt hinter vorgehaltener Hand zu hören.
Alois Schwarz: Ich kann erst reagieren, wenn Betroffene über die Ombudsstelle ihre Situation zur Sprache bringen.
Die Opfer melden sich meist erst nach vielen Jahren.
Alois Schwarz: Das ist leider eine Tatsache. Ich glaube, dass sich heute Opfer aufgrund der geänderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen rascher melden würden. Missbrauchsopfern wird eine unvorstellbare Verwundung zugefügt.
...ganz besonders, wenn es im kirchlichen Rahmen geschieht?
Alois Schwarz: Es schmerzt in zwei Bereichen sehr: In der Familie, weil das der Raum der Intimität ist, und in der Kirche, weil von ihr zu Recht eine besonders hohe moralische Integrität erwartet wird.
Fälle in anderen Ländern zeigen, dass Geistliche, die Missbrauch begangen haben, in andere Diözesen versetzt wurden und dort im Amt blieben. Können Sie solche Versetzungen von und nach Kärnten ausschließen?
Alois Schwarz: Zu meiner Kärntner Amtszeit gab es das nicht. Ich habe bei jedem Priester, der zu uns kommt, in der Heimatdiözese beim Bischof nachgefragt, ob Dinge vorliegen, die nicht korrekt waren.
Jetzt wird diskutiert, wie sehr die Priesterausbildung und der Zölibat Mitschuld an sexuellem Missbrauch in der Kirche haben?
Alois Schwarz: Sexueller Missbrauch ist auch Folge einer Persönlichkeits- und Entwicklungsstörung. Es ist wichtig, in der Priesterausbildung auf reife Persönlichkeiten zu achten.
Mit dem Zölibat als Handicap?
Alois Schwarz: Dieser Frage muss man seriös und vorurteilsfrei nachgehen. Nach meinem jetzigen Informationsstand ist nicht der Zölibat Ursache für sexuellen Missbrauch, sondern menschliche Unreife.
Wie geht es Ihnen mit dem Hochkochen der Missbrauchs-Thematik?
Alois Schwarz: Die Vorkommnisse machen mich sehr, sehr traurig, es ist eine sehr belastende Situation durch das Fehlverhalten einzelner. Mir ist auch wichtig, jene zu ermutigen, die treu und verlässlich ihre Arbeit in der Seelsorge machen. Diese leiden unter den Pauschalverdächtigungen.
Aktuell haben sich dieser Tage weitere Fälle bei der Ombudsstelle gemeldet?
Alois Schwarz: Ich weiß noch nicht, ob es Fälle sind. Es sind erste Kontakte. Die Ombudsstelle geht den Vorwürfen jetzt nach.
Wieder neue Fälle
Ombudsstelle
Die Ombudsstelle der Diözese Gurk für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche (
ombudsstelle@kath-kirche-kaernten.at) wurde 1995 eingerichtet. Es gibt zwei Co-Vorsitzende: den Priester Matthias Hribernik und Jutta Menschik-Bendele, Vizerektorin der Uni Klagenfurt. Mitglieder sind weiters ein Jurist, eine Psychotherapeutin, eine Mutter und ein Ordensmann. Hauptaufgabe ist, Vorwürfe zu prüfen und nach der Klärung Hilfen für Opfer und Maßnahmen für die Verantwortlichen zu erarbeiten. Priester oder Mitarbeiter im kirchlichen Dienst werden bis zur Klärung vom Dienst freigestellt.

















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