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Zuletzt aktualisiert: 05.02.2012 um 05:52 UhrKommentare

Graz: Die Post geht ab

Traditionelle Postämter schließen, neue Post-Partner sollen ihre Dienste übernehmen. Das funktioniert bisher nur bedingt.

Foto © Gernot Eder

Der leuchtend gelbe Schalter inmitten der grauen Drucker ist nicht zu übersehen. Die Post-Reklame begrüßt die Kunden des Bürdodienstleisters Mail Boxes in der Schlögelgasse gleich am Eingang. Am 1. Juni des vergangenen Jahres hat sich Inhaber Bruno Schmitt nämlich das Posthorn umgehängt, wurde einer von derzeit fünf Post-Partnern in Graz. Das heißt, er hat die Brief- und Paket-, aber auch die Bankdienstleistungen der Post übernommen.

Provision

15.000 Euro beträgt die durchschnittliche Provision für die Post-Partner im Jahr. Die Investitionskosten übernimmt die Post.

"Für mich ist das ein großer Vorteil, weil ich meine Massensendungen jetzt von meinem Betrieb aus verschicken kann," so Schmitt. Weiteres Plus: Als Post-Partner habe er neue Kunden für sein Hauptgeschäft mit Mail Boxes gewinnen können. "Die Leute kommen rein und sehen, was wir sonst noch anbieten."

Verlustgeschäft

Kritik am System der Post-Partner kommt von Andreas Rindler, Vorsitzender der Postgewerkschaft Steiermark: "Wer möchte schon seine Bankgeschäfte erledigen, wenn jemand hinter ihm eine Wurstsemmel bestellt?" Denn egal ob Lebensmittelhändler oder Apotheker, theoretisch darf sich jeder mit der Post verbünden. Bedingungen: zum Beispiel die Bereitstellung einer Geschäftsfläche von etwa fünf Quadratmetern und eine zweitägige Mitarbeiterschulung. Rindler: "Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Kunden bei einem Post-Partner nicht die Qualität bekommen, die sie von Postämtern gewohnt sind." Oft könnten die neuen Post-Mitarbeiter keine Auskunft über spezielle Produkte geben, wüssten sich bei Wünschen abseits des Standard-Briefverkehrs nicht zu helfen.

Und: Post-Partner zu sein, ist kein lukratives Geschäft. Schmitt bestätigt: "Man verdient dabei nichts." Nicht einmal den Mitarbeiter, den er für die zusätzlich anfallende Arbeit beschäftigt, könne er mit den Post-Erlösen finanzieren. Das sei auch der Grund, warum das Postamt in Ragnitz trotz jahrelangem Bestreben noch immer nicht geschlossen wurde: Weil sich kein Post-Partner finde, so Rindler, der Aufwand wäre zu groß.

Noch mehr Partner für Graz

Schluss

24. Februar ist der Stichtag für die Filiale 8024, Wiener Straße. Sie wird geschlossen.

Trotzdem sperrt die Post weiterhin Ämter und verdichtet ihr Partner-Netz. Post-Sprecher Michael Homola erklärt: "Bei Postfilialen, die Jahr für Jahr negative Zahlen schreiben, müssen wir reagieren. Aber die Post ist auch verpflichtet, österreichweit 1650 Geschäftsstellen zu betreiben." Also: Die teuren Ämter müssen weg, die billige Variante der Post-Partner setzt sich durch. Bis Ende 2012 sollen in Graz zwölf Post-Partner vorhanden sein, sechs Ämter werden in nächster Zeit noch umgewandelt.

Rindler: "Das einzige Argument lautet immer: Die Partner sind flexibler, haben länger offen als manche Ämter. Mir tun die Kunden aber leid, die um qualifizierte Postler gebracht werden."

SABRINA LUTTENBERGER

Fakten

5 Post-Partner gibt es aktuell in Graz. Das erste Partner-Unternehmen war die Firma Mail Boxes in der Leonhardstraße am 16. Mai 2011. Die weiteren: Mail Boxes in der Schlögelgasse, Allcom Business in der Leonhardstraße, Textilhandel Bierbaumer in der Mariatroster Straße, die Apotheke Michelitsch in der Ziehrerstraße und die Gesellschaft zur Förderung seelischer Gesundheit am Hasnerplatz.

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