Konfuzius-Institute für besseres China-Image
Chinas Kulturoffensive erreicht auch den Schweizer Nachbarn: Nach Genf werden bald auch in Zürich und Basel Konfuzius-Institute eröffnet. An der Karl Franzens-Universität in Graz und in Wien gibt es sie bereits. Die Volksrepublik will damit ihre Sprache und Kultur näher bringen - politische Fragen werden ausgeklammert.

Foto © EderWan Jie Chen, Vizerektor des Konfuzius-Instituts Graz
In der Schweiz gibt es wohl keinen Haushalt mehr, der ganz ohne Kleider, Haushaltgeräte oder Spielwaren "Made in China" auskommt. Ganz anders ist es mit der chinesischen Sprache und Kultur, die den meisten fremd sind. Das will die Volksrepublik China ändern: Seit 2004 hat sie eine weltweite Kultur-Offensive gestartet.
Nach dem Vorbild der deutschen "Goethe-Institute" oder der französischen "Alliances Francaises" sind in 105 Ländern bereits über 350 Konfuzius-Institute eröffnet worden. Anders als etwa die Goethe-Institute sind die Konfuzius-Institute jeweils einer Universität im Gastland angegliedert. Auch in Wien und Graz gibt es Konfuzius-Institute, die an der Universität Wien und der Karl-Franzens-Universität verankert sind.
Kursangebote zum heutigen China
Im vergangenen November wurde an der Universität Genf das erste Schweizer Konfuzius-Institut ins Leben gerufen. Zurzeit können die Studenten dort Sprachkurse oder einen Einführungskurs zum heutigen China besuchen. Später soll das Kursangebot ausgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, wie Institutsdirektor Basile Zimmermann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda sagt.
Ähnliche Pläne verfolgen die Universitäten in Zürich und Basel, wo im nächsten Herbst und im Frühling 2013 ebenfalls Konfuzius-Institute ihre Türen öffnen. In Zürich sei ab September 2012 eine Plattform für geistes-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Forschung geplant, sagt Wolfgang Behr, Professor für Sinologie der Uni Zürich und Präsident des Vereins "Konfuzius-Institut Zürich". In Basel ist das inhaltliche Profil des Instituts noch nicht spruchreif, es wird aber im Bereich der Life-Sciences sein, wie Uni- Sprecher Matthias Geering sagt. Angegliedert wird das Institut dem Sprachenzentrum der Uni Basel.
Finanziert werden die Konfuzius-Institute von China und den Gaststandorten- und -universitäten. Beispielsweise in Genf bezahlt China die Hälfte des Budgets von 200.000 Franken (165.590 Euro) pro Jahr. Die Uni Genf stellt zudem die Residenz des Instituts - die herrschaftliche Villa Rive-Belle in der Nähe des Genfersees - zur Verfügung.
Im Gegenzug entsendet die chinesische Partneruniversität Renmin Dozenten nach Genf. China bezahlte weiter einen Startbeitrag von umgerechnet rund 140.000 Franken (115.913 Euro). Wie viel die Volksrepublik an die Institute in Basel und Zürich beisteuert, muss noch ausgehandelt werden.
Dass sich China von den Mitteln, die das Land weltweit in die Konfuzius-Institute investiert, einen Gegenwert erhofft, daraus macht das Land keinen Hehl. China wolle Zentren schaffen, wo sich die Menschen über die chinesische Sprache und Kultur informieren könnten, sagt Liang Jianquan, Generalkonsul der Volksrepublik China in Zürich.
Wie dies konkret aussieht, zeigt ein Blick auf die Webseite des "Konfuzius Hauptquartiers": Im neuseeländischen Auckland feiern Studenten das Dragon Boat Festival, in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana trinken sie chinesischen Tee, in Duisburg können sie eine Ausstellung über chinesische Scherenschnittkunst besuchen und in Ruandas Hauptstadt Kigali lernen sie spielerisch Chinesisch.
Zweck der Institute
Mit den Konfuzius-Instituten wolle China seine kulturelle Stärken in einem positiven Licht darstellen, erklärt Nicolas Zufferey, Sinologie-Professor an der Universität Genf.
Einerseits besitze China eine sehr alte, hoch angesehene Kultur. Andererseits werde das aktuelle politische System Chinas in großen Teilen der Welt argwöhnisch und mit wenig Sympathie betrachtet, sagt Zufferey. "Es ist legitim, dass das Land nun eine Form sucht, um seine Ausstrahlung positiv zu beeinflussen." Natürlich wäre es noch besser, wenn China auch seine Menschenrechtspolitik überdenken würde.
In einer solchen Imagekampagne - im Fachjargon "Soft-Power- Strategie" - hat Politik allerdings keinen Platz: "Das Institut soll kein Ort sein, an dem Politik betrieben wird", sagt der chinesische Generalkonsul Liang Jianquan. Das gelte auch für die Tibet-Frage oder die Menschenrechtslage.
Solche Äußerungen bringen die Schweizer Partneruniversitäten nicht aus der Ruhe: "Die chinesische Seite wie auch die Schweizer Seite haben beim Studienangebot ein Vetorecht", erklärt Basile Zimmermann. China habe bis jetzt noch keine Themen verboten. Auch in Zürich und Basel mische sich die Volksrepublik nicht ein in die thematische Ausrichtung der Konfuzius-Institute, heißt es dort auf Anfrage.








